Qualitätssiegel für Lehrer

Mehr als 50 Prozent aller Lehrer in Österreich werden ab 2013 in Pension gehen. Für Bildungsministerin Claudia Schmied „ein idealer Zeitpunkt, um die Lehrerbildung von Grund auf neu aufzustellen“.
Der erste Schritt dahin wurde mit einer Expertengruppe gesetzt, die
sich seit Anfang 2009 ­Gedanken über ein mögliches Modell machte und
nun ihren Endbericht präsentierte.
„Bisher ist man von der Fiktion ausgegangen, dass jemand etwa im
Pflichtschulalter nach drei Jahren Ausbildung fertig in den Beruf kommt
und vom ersten Tag an ein kompletter Lehrer ist“
, so der Vorsitzende der Expertengruppe, Peter Härtel, gegenüber der APA. Das soll künftig anders sein.
Während derzeit Pflichtschullehrer an Pädagogischen Hochschulen und AHS-Lehrer an Unis ausgebildet werden, müssen künftig zuerst einmal alle angehenden Lehrer eine Bachelor-Ausbildung absolvieren.

Mehr Kompetenz, höhere Gehälter

Diese „Grundausbildung“ um­fasst Kernkompetenzen für alle pädagogischen
Berufe vom Kindergarten bis zur ­Sekundarstufe (Schüler 11 bis 19
Jahre) sowie die jeweilige fachwissenschaftliche  und -didaktische
Grundbildung für alle unterschiedlichen Schultypen.
Der Zugang zum Studium erfolgt in weiterer Folge nach einem
Aufnahmeverfahren, das einerseits aus einem „Self Assessment“ (das
bedeutet, die Studenten müssen selbst entscheiden, ob sie sich für
geeignet halten) und andererseits aus der Bewährung in der
Studieneingangsphase besteht. Parallel dazu gehen die Bachelors als
„Turnuslehrer“ an die Schulen. Diese praktische Erfahrung dauert
mindestens zwei, bei einem berufsbegleitenden Studium in der Regel vier
Jahre.

Erst wenn alle Phasen erfolgreich absolviert wurden, stehen die Pädagogen voll im Beruf. Für bestimmte Funktionen ist aber ein Master-Titel nötig.
Etwa für Volksschullehrer, um in Klassen mit hohem Migrantenanteil oder
in Integrationsklassen zu unterrichten. Oder für Sekundarstufenlehrer,
die im Rahmen der Matura eine vorwissenschaftliche Arbeit betreuen. „In
jeder Schulart wird es Funktionen geben, für die ein Bachelor reicht.
In jeder wird es aber auch Funktionen geben, wo es einen Master braucht“
, so Experte Härtel.

Ändern soll sich auch das Dienst- und Besoldungsrecht: Lehrer sollen künftig nicht nach Dienstjahren, sondern nach Funktionen bezahlt werden. Außerdem soll es höhere Einstiegsgehälter
geben. Bundesministerin Claudia Schmied will die Neuregelung der
Lehrerausbildung noch in dieser Gesetzgebungsperiode umsetzen. Damit
möchte sie eine Orientierungshilfe und Qualitätsmaßnahme schaffen. Sie
möchte eine verstärkte Durchlässigkeit gewinnen und besondere Angebote
für Quereinsteiger schaffen. Das Expertenpapier sei nun die Grundlage,
um mit den Betroffenen in eine Diskussionsphase zu treten. Im Herbst
plane sie Gespräche mit Bildungsregionen, sodass Anfang 2011 eine
entscheidungsreife Grundlage vorliegen wird. Zur Frage der Dienst- und
Besoldungsreform gebe es derzeit intensive Gespräche mit der
Gewerkschaft, informierte die Ministerin.

  • Adresse: Minoritenplatz 5, 1010 Wien

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