Riesen und Haarmenschen: Unbekannter Prater

Wenn am 28. 8. der große "Praterrummel“ steigt, so beweisen tausende Besucher wieder, welche Anziehungskraft die Jahrmarkttradition bei uns immer noch hat. Gerade in den letzten Jahren erlebte der Prater dank Modernisierungsinitiativen einen enormen Aufschwung. Auf dem neu gestalteten Riesenradplatz finden Attraktio­nen internationalen Kalibers ihre Heimat. Sogar das berühmte Wachsfigurenkabinett "Madame Tussauds“ siedelte sich hier an.

Rumpfmensch als Praterunternehmer

Bei allen Neuerungen wird auf die Geschichte allerdings nicht vergessen. Das beweisen etwa das Nostalgie-Kettenkarussell oder die detailgetreue Sanierung des "Toboggan“ – der weltweit letzten aus Holz gebauten Rutsche. Die Technik spielt zwar in der Unterhaltungswelt des Praters eine große Rolle, bis heute machen jedoch vor allem ungewöhnliche Menschen den Besuch zu einem Erlebnis. Akrobaten, Messerwerfer und Entfesselungskünstler sind hier einst aufgetreten. Viele von ihnen haben sich in der Wiener Kulturgeschichte festgeschrieben, man denke an die "Dicke Mizzi“.

Zu den bizarrsten Anblicken gehören sicher "Wundermenschen“ – Künstler, die durch angeborene Besonderheiten auffallen. 1907 war der Russe Stefan Bibrowski, der als "Lionel, der Löwenmensch“ berühmt wurde, im Prater zu sehen. Seine Überbehaarung machte ihn zu einem internationalen Star. Im 20. Jahrhundert gab es zwei Miniaturstädte im Prater zu besichtigen, die von Kleinwüchsigen bewohnt wurden. Zur Legende wurde auch der Rumpfmensch Nikolai Wassiliewitsch Kobelkoff, 1851 ohne Arme und Beine in Russland geboren. Er trat nicht nur hier auf, sondern heiratete die Wienerin Anna Wilfert und wurde selbst erfolgreicher Praterunternehmer – u. a. befand sich der "Toboggan“ in seinem Besitz. Bis heute ziehen solche Menschen im Prater die Zuschauer an. 2009 war Sultan Kösen, mit über 2,46 Metern der größte lebende Mensch der Welt, bei der "Vienna Recordia“ zu Gast. Im Rahmen von Wachsfigurenkabinetten – das berühmteste gehörte Hermann Präuscher – wurden bereits im 19. Jahrhundert Persönlichkeiten, Politiker, Adelige und "Wundermenschen“ detailgetreu nachgebildet präsentiert.

Mehr zum Thema "Wundermenschen“ hat das Circus- & Clownmuseum, das gerade an den neuen Standort im 2. Bezirk übersiedelt, im Herbst soll eröffnet werden. Tel.: 0676/460 47 94

  • Adresse: Prater, 1020 Wien

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