Roter Drache trifft goldenes Herz

Der Wiener ist heutzutage mit der chinesischen Küche gar nicht schlecht vertraut: Auf Anhieb fallen uns mehrere Namen chinesischer Speisen ein, auf die wir wohl auch nicht mehr verzichten wollen. Die unscheinbaren Importeure dieser kulinarischen Köstlichkeiten fallen sonst kaum auf.
Im "Asia-Grätzel“ beim Naschmarkt rund um die Kettenbrückengasse begab ich mich deswegen auf die Spuren der Wiener Chinesen – und zwar jenseits der China-Restaurants. Und auch da hat die China-Community einiges zu bieten. "Mein Geschäft ,China Books‘ ist der größte chinesische Buch- und Zeitschriftenshop im deutschsprachingen Raum“, erzählt Gan Wang. Der studierte Publizist lebte lange Zeit in Deutschland und kennt die Community in ganz Europa sehr gut: "Seit 20 Jahren gebe ich mit ,Europe Weekly‘ die größte chinesische Zeitung des Kontinents heraus“, so Wang.

Reger Zustrom aus der Region Qingtian

Die Geschichte der Chinesen in Österreich ist rund 30 Jahre jung. Sie kamen aus armen Regionen in ihrer Heimat, blieben jedoch mit ihren Verwandten in engem Kontakt: "Rund 70 % der Chinesen in Österreich kommen aus derselben Region: aus dem südchinesischen Qingtian. Viele von dort gehen auch nach Madrid“, weiß Wang. "Der Bürgermeister meiner Stadt beklagt sich immer darüber, dass die Hälfte seiner Bürger im Ausland lebt“, lacht er.  

"Wir sind ruhige Menschen und arbeiten viel: Wir sparen für die Ausbildung unserer Kinder." Gan Wang

"Wir sind ruhige Menschen und arbeiten viel: Wir sparen für die Ausbildung unserer Kinder". Gan Wang

Weniger neu scheint der Eindruck zu sein, dass viele Chinesen in Restaurants arbeiten: "Die ersten Chinesen eröffneten Lokale, um für die eigenen Leute zu kochen – bald entdeckten sie aber auch die Wiener“, schmunzelt Qiu Yu Qin vom Lebensmittelshop auf Nr. 21. Die Geschäftsfrau beliefert einen großen Teil der Wiener China-Restaurants und bestätigt: "Kochen ist etwas, womit wir von Kindesbeinen an aufwachsen, deshalb ist es leicht für uns. Die überwältigende Mehrheit der Chinesen arbeitet tatsächlich in der Gastronomie.“ Rund 1.200 China-Restaurants gibt es in Österreich, davon die Hälfte in Wien. Zum Vergleich: McDonald’s zählt bundesweit nur 168 Restaurants.
Während die erste Generation aus China in der zeitintensiven Gastronomie Fuß fasste, haben es deren Kinder leichter. Ein Beispiel dafür ist TU-Student Xun (Schün) Chen: "Unsere Eltern haben viel gearbeitet und hatten kaum Kontakt zu Wienern. Wir Kinder waren in der Schule, sprechen Deutsch und die meisten meiner Freunde studieren.“ Xuns Vater betreibt im kleinen Wiedner China-Town (Kettenbrückeng. 18) auch ein wichtiges Geschäft: "Wir sind eine der ganz wenigen Chinesen, die einen Handy-Shop betreiben – aus ganz Österreich lassen sich Chinesen über Tarife beraten. Wir bringen so viele Kunden, dass uns die Anbieter eine Preisreduktion von 20 % für unsere Kunden geben – auch wenn Wiener zu uns kommen“, lacht Xun.

  • Adresse: Kettenbrückengasse, 1040 Wien

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