Rückkehr des alten Flusses?

Vier Projekte wurden im Jänner von Planungs- und Verkehrsstadtrat Rudi Schicker prämiert. „Public Space Generator“ von Philipp Benisch punktete mit flexiblen Stadtmöbeln, die je nach Bedarf wachsen, schrumpfen und in Parkstreifen zuhause wären. Ständig oder nur temporär.
Witzig ist die Idee „Straßenzug“ von Helena Mally, Sarah Neidhart und Martina Sattler: in Anlehnung an einen Zugwagon sollen z. B. an Hausmauern klappbare Sitze montiert werden. Kooperative Hausbesitzer vorausgesetzt.

Ein roter Faden zieht sich durch Bezirke

Konzept Nummer drei nennt sich „Follow the line“, stammt von Sabine Papst und Julia Rode und spannt einen roten Faden durch die Bezirke diesseits und jenseits des Gürtels. Teils als Bodenmarkierung, teils über Straßenniveau. Letztere Variante bringt einen praktikschen Nutzen mit sich – der rote Faden könnte als Rankgerüst für Kletterpflanzen genutzt werden. Das Projekt „Water connecting people“ hat unsere Aufmerksamkeit aber am stärksten auf sich gezogen.

Idee nett, in der Realität schwierig

Das Projekt von Benedikt Weingartner, Lisa Habenicht und Verena Pass hätte die einschneidenste Wirkung auf die Bezirke. Beispiel Thaliastraße: Hier soll nach Vorstellung der Studenten mitten durch ein Bach fließen. Die Idee nimmt Bezug auf Zeiten, in denen der Ottakringer Bach noch das Stadtbild prägte. Das WIENER BEZIRKSBLATT wässerte nach und befragte Passanten in der Thaliastraße, was sie von dieser konkreten Idee halten. Eine Dame verstand auf den ersten Blick, worum es den Junior-Planern ging: „Die Stadt braucht dringend mehr Platz für Fußgänger. Das mit dem Wasser macht so eine friedliche Atmosphäre. Außerdem ist da früher ja auch mal ein Bach geflossen. Die Rückkehr des alten Flusses sozusagen.“

Als „eine prinzipiell gute Idee“ bezeichneten ein Großteil der Befragten das Gesehene. Einige waren dennoch skeptisch. Beispiel Swietek: „Es sieht gut aus, aber es gibt bestimmt Leute, die ihren Müll in das Wasser werfen.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt eine Dame, die anonym bleiben möchte. „Der Vorschlag gefällt mir sehr gut. Aber ich kenne das aus anderen Städten. Der Bach wird dann irgendwann abgedeckt – wegen den Kindern und den älteren Menschen. Die Eltern kostet das ganz schön Nerven, die Kinder vom Wasser fernzuhalten. Ich finde die Idee nett, aber die Umsetzung schwierig.“ Anmerkung: In Dornbirn/Vorarlberg gibt es seit vielen Jahren einen ganz ähnlichen Bach – bis heute so, wie er sein soll, also nicht abgedeckt.

Immer wieder Autos als Gretchenfrage

Die den Bach umgebende Fußgängerzone gefällt genauso, wie sie nicht gefällt. Passantin Marie-Theres dazu: „Es kann für eine Straße durchaus belebend sein, wenn es zumindest eine Spur für Autos gibt.
Es wird wohl noch viel Wasser den Bach hinunter rinnen, bevor dieser Plan wahr werden kann. Stadtrat Schicker hat versprochen, die Projekte weiterzuverfolgen. So oder so wird diskutiert und das kann nur gut sein!

Straßenumfrage: Sarah van den Berg

  • Adresse: Thaliastraße 2, 1160 Wien

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