Samstag nachmittag in der U3

Samstag, früher Nachmittag, eine bummvolle U3 auf Höhe Mariahilfer Straße. Ein Quetschen-Spieler steigt ein und beginnt mit seiner Unterhaltungsmusik. Die meisten Fahrgäste reagieren genervt, schauen weg. Bis auf ein kleines Kind, das dem Mann zulächelt. Er lächelt zurück und spielt und spielt und spielt. Was insofern überraschend ist, da die meisten seiner Kollegen nur ein paar (meist falsche) Akkorde zum Besten geben und dann schon auf Spenden-Sammlung durch den Waggon gehen. Er nicht. Er spielt eine ganze Station lang.

Die Ubahn hält, ein älterer Mann steigt aus und beschimpft den Spieler. Eine ältere Dame geht einen Schritt weiter. Sie stellt sich in die Türe, blockiert somit das Schließen selbiger und die Weiterfahrt des Zuges. Die Frau schreit nach dem Schaffner. „Wir fahren nicht weiter, bevor ER aussteigt.“

Die anderen Passagiere reagieren irritiert, ein paar Stimmen bitten die Frau, aufzuhören. „Er spielt jetzt eh nicht mehr“. Plötzlich kippt die Stimmung und die alte Dame wird angefaucht, selbst auszusteigen. Der Unfrieden, der von der Frau ausgeht, scheint die Öffis-Benutzer mehr zu stören, als die Lärmbelästigung durch den Bettler. 

Das Ende der Geschichte: Der Mann steigt irgendwann verunsichert aus und haut ab (als die Frau auf dem Weg zum Schaffner ist). Schaffner kommt, findet keinen Quetschen-Spieler, die Passagiere sudern und schimpfen. Die Frau steigt wieder ein – aber in einem anderen Zugabteil, wo man von nichts etwas mit bekommen hat. Im Endeffekt ist sie die Buh-Frau.

Die Frage ist: Wie hätten Sie reagiert? Hat die Frau nicht allen aus der Seele gesprochen? Oder ist der „normale Wiener“ einfach ein gewisses Maß von „genervt werden“ im öffentlichen Raum gewohnt? 

  • Adresse: Mariahilfer Straße 49, 1060 Wien

1 Antwort
  1. Martina Dalton says:

    ich finde, dass vieles, sehr vieles um einiges nerviger ist als Quetschenspieler. Handytelefonate z.B. – interessiert mich wirklich überhaupt nicht was die Leute so vor haben oder vor hatten oder Geburtstagsständchen am Handy singen – das wird alles blindlings akzeptiert – ist ja zivilisiert. Die Quetschenspieler hingegen werden als Feindbild angesehen, Lärmmacher. Die laute Musik aus dem Handy a la Krochastyle wird da noch eher akzeptiert. Ich finde bei der überreagierenden alten Dame steckt einfach nur Fremdenfeindlichkeit dahinter, weil Quetschenmusik kann man gleichsetzen mit einseitigen Gesprächen (am Handy) oder schlechtem Sound aus dem Handy (auch wenns nur das ständige Anruf- und SMS-Läuten ist), da regt sich die Dame sicher nicht auf. Vielleicht ist sie selbst eine der Handyplaudertaschen der U-Bahn. Meine Meinung.

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