Schlechte Zeiten für gute Stoffe

Für das bekannte Textilunternhemen wird's jetzt eng: Der ursprüngliche Sanierungsplan für den Betrieb, ist am Gläubiger Hypo Niederösterreich gescheitert. Der KSV sieht allerdings „durchaus Perspektiven für den Fortbestand des Unternehmens“.

Kein Glück mit Indischem Seidenfabrikant und saudischem Investor

Zuletzt hatte es geheißen, dass der indische Seidenfabrikant Chamundi Silks und die österreichische Sanierungsgesellschaft Value Management Services (VMS) die Mehrheit an Backhausen übernehmen hätten sollen, auch die Produktion in Hoheneich im Waldviertel mit rund 80 Beschäftigten sollte bestehen bleiben.

Nachdem bereits im Oktober, nach Ausbleiben der Zahlungen des austro-saudischen Investors Al Jaber, ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, geht die unendliche Geschichte um die Backhausen-Pleite in die nächste Runde.

Wiener Werkstätte und Jugendstil

Der Name Backhausen steht in engem Bezug zur Wiener Werkstätte bzw. der Wiener Jugendstilkunst. Ab 1903 begann das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit Künstlern, die sich bis in die 1930er Jahre erstreckte. Backhausen setzte Entwürfe von Jugendstilkünstlern in gewerbliche Erzeugnisse um und wurde Gründungsmitglied sowie Hauptlieferant der Wiener Werkstätte. Das Unternehmen produzierte Möbel- und Vorhangsstoffe, Druckstoffe handgeknüpfte und gewebte Teppiche nach Originalentwürfen von Künstlern wie Josef Frank, Josef Hoffmann, Koloman Moser, Otto Wagner, Eduard Josef Wimmer-Wisgrill sowie vieler andere Künstler und Architekten.

Ausstatter der High-Society

Backhausen stattete 1901 die Villa Moser auf der Hohen Warte, 1904/05 das Sanatorium Purkersdorf, 1913–1915 die Villa Skywa-Primavesi in Wien und 1905–1911 das Palais Stoclet in Brüssel aus. Zusammen mit der Firma Jacob & Josef Kohn schuf Backhausen Sitzmöbel von, für die damalige Zeit außerordentlichem Wert.

Das Textilmuseum

Das Unternehmen sammelte im Lauf der Zeit über 3 500 Originalentwürfe von über 300 Künstlern seiner Zeit. Im Archiv der Firma Backhausen befinden sich Originalentwürfe, Stoffe und Teppiche, die die Wirren des Ersten Weltkrieges und die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mit viel Glück entkommen konnten. Vor allem die Werke der Künstler der Wiener Werkstätte sind hier aufgehoben. Bis heute stellt Backhausen Stoffe auf Basis dieser Originale her. In ihrem Verkaufslokal in der Schwarzenbergstraße 10 hat das Unternehmen für diesen Zweck ein kleines „Wiener Werkstätte Textilmuseum“ eingerichtet.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *