Sein Degen führt zu Bronze, sein Leben glänzt wie Gold

Atemlos! Dieser Hit von Helene Fischer hat mit der Wohnung von Günter Hayek so gar nichts gemein. Hier ist viel eher Barockmusik von Bach oder klassische Gitarrenmusik zu hören. Und trotzdem kommt die blonde Deutsche dem Autor als Erstes in den Sinn: „Atemlos“ macht diese Wohnung auf der Linzer Straße in Hörweite zum Weststadion.

Im Namen der Saiten

Gitarre reiht sich an Gitarre. Pokale blitzen hervor. Alte Holzbilder, antiquierte Bücher und eine Legion von histo­rischen Skiern prägen das 180-Quadratmeter-Refugium. „Ja, ich bin schon ein bisschen ein Sammler“, schmunzelt der Hausherr ob des Autorenblickes. „Ich restauriere gerne alte Gitarren und spiele auch ­darauf … Wenn es meine Zeit zulässt.“

Von dieser hat Hayek nicht sehr viel. Seit 37 Jahren trainiert der Jurist, erst mit Florett, dann mit Degen. „Wobei ich mit dem Degen erfolgreicher bin.“ Heißt: Vor zwei Jahren war er Staatsmeister in der allgemeinen Klasse, zum dritten Mal. Nicht schlecht. Aber nichts gegen den jüngsten ­Erfolg in der „Veteranen-Klasse“: Da holte Günter Hayek EM-Bronze. „Ein Tag, an dem einfach alles aufgegangen ist. Ein Traum.“

Der nach jahrzehntelangem beinharten Training („Früher täglich, heute nur mehr ein- bis zweimal pro Woche, da hilft meine Routine.“) weitergehen soll. „Übernächstes Jahr, mit 50, kann ich auch bei der Veteranen-WM fechten. Da möchte ich noch eine Medaille.“

Er kam, sah und siegte

Zuzutrauen ist es dem hochgewachsenen, schlanken ­Tausendsassa mit der weißen Randbrille sicher. Wobei: „Die Dichte beim Degenfechten ist sehr hoch, da gibt es viele ­Favoriten.“ Egal, sein inter­nationales Edelmetall hat er schon. Die sportliche Krönung: „Viel zu verdanken habe ich meinem langjährigen Trainer Anatol Richter, der einst eine junge, schlagkräftige Truppe gebildet hat. Die ­interne Konkurrenz hat uns nach vorne gepusht, wir haben Tag und Nacht trainiert – da gab es kein Fortgehen.“ Dafür kann er heute, mit der Routine und Gelassenheit des Alters, sein Leben genießen. Inmitten seiner einzigartigen Museumswohnung in ­Hütteldorf.

© Judith Mareich/ Rene Wallentin

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