SMS an Petrus: General Winter kann kommen!

Es kam unerwartet. Auch für die Wetterexperten der Stadt. In dieser denkwürdigen Nacht ergoss "Frau Holle“ ihre weiße Pracht über die Millionenstadt. Zwei ­Meter Neuschnee innerhalb weniger Stunden. Völliges Chaos. Überforderte Straßendienste. Steckengebliebene Autos. Fluchende Menschen und ältere Herrschaften, die auf der Schnee- und Eisschicht dahinschlitterten. Es dauerte eineinhalb Tage, bis man in der Stadt wieder Herr der Lage war …

"Oranges Ballett“ probt den Ernstfall

So geschehen im Jahr 2005 in München. Sogar Flüge wurden gestrichen. Warum diese dramatische Schilderung? Um zu zeigen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, "General Winter“ mit Souveränität zu empfangen. Wien tut das seit Jahren, obwohl es auch schon andere Zeiten gab. Aber das ist Schnee von gestern.

"Auch wenn bei den frühlingshaften Temperaturen nur die wenigsten daran denken – die MA 48 ist bestens für den Winter gerüstet“, versichert die ressortzuständige Stadträtin Ulli Sima. Beweise gefällig? Erst vor zwei Wochen probte das Magistrat in einer Nachtaktion mit 139 Einsatzfahrzeugen für den Ernstfall und fuhr alle wichtigen Strecken ab. Denn im Falle eines totalen Wintereinbruchs rücken alle verfügbaren 389 Räum- und Streufahrzeuge nach einem genauen Einsatzplan aus, wobei das Straßennetz in vier Klassen aufgeteilt ist. Die städti­schen Fahrzeuge räumen die Hauptrouten ("A-Pläne“), die Privatfuhrwerker im MA-48-Auftrag die Straßen mit starkem Berufs- und Busverkehr ("B-Pläne“). Bei den kleinen Nebengassen heißt es oft: Bitte warten! Sie sind in den "K-(Kleinfahrzeug)-Plänen“ festgehalten und werden von der Straßenreinigung betreut.

Gehwege sind eine sehr heikle Sache

Damit zu jenen, die kein Blech rundherum ­haben und auch bei Eis und Schnee hinaus müssen – den Fußgängern. Und da kann es von Bezirk zu Bezirk, von Grätzel zu Grätzel, sogar von Straße zu Straße Unterschiede geben. Da gibt es viele Gehsteige, Stiegen, ­sowie kombinierte Geh- und Radwege (in Summe 500.000 Laufmeter), die von der MA 48 betreut werden, die wiederum den Winterdienst teilweise an private Schneeräumfirmen ausgelagert hat.

Dann gibt es 852 Wiener ­Anlagen inklusive aller Wege rundherum, die vom Wiener Wohnen-Ressort betreut werden. 110 Winterteams mit 350 Mitarbeitern, 2.200 Haus­besorger und Fremdfirmen kümmern sich um gewaltige 2.897.705 m2 Fläche. 1.900 Einachser und 250 Traktoren helfen, damit die Gehsteige ab 6 Uhr früh nicht mehr verschneit oder vereist ist. Das ist die Zeit, die vielen Bewohnern wohl bewusst macht, dass die "guten alten Hausbesorger-Seelen“ ja doch recht praktisch sind.

Wiener Wohnen ist längst winterfit

Bei Wiener Wohnen herrscht große Gelassenheit. Ende ­Oktober wurde das gesamte Streumaterial in die Einzel­depots ausgeliefert und nun laufen die letzten Service­arbeiten an Traktoren, Streuwagen und Räumgeräten. Weniger Glück könnten im Ernstfall jene ­haben, die in Gegen­den mit hohem Privathausanteil wohnen. Denn es gilt die Regelung, dass für Schneeräumung, Beseitigung drohender Dachlawinen oder „absturzgefährdeter“ Eiszapfen und das Entfernen des Splitts Anrainer und Hauseigentümer bzw. die beauftragten Firmen zuständig sind.

Apropos: Was wird im Kampf gegen die weiße Pracht eigentlich verteilt? Auf den Straßen hauptsächlich Feuchtsalz, das durch Verdampfung von Sole hergestellt wird und umweltfreundlich ist. Wo Salzeinsatz nicht möglich ist, werden Kaliumkarbonat und geringe Mengen an Streusplitt verwendet.
Anders ist es im Bereich der Gehwege und Wohnhaus­flächen: Hier gilt Salzstreu-
Verbot, sobald Pflanzen in der Nähe sind. So auf Gehwegen im Umkreis von zehn Metern rund um eine Grünfläche. Das Verbot kann bei Eisregen oder gefrierendem Nebel von der MA 48 aufgehoben werden.
Fehlt zum Glück nur mehr die Hauptattraktion, der Schnee – aber vielleicht wartet Frau Holle ja heuer auf Weihnachten.

  • Adresse: Rathaus, 1010 Wien

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.