So paddeln Floridsdorfs Großstadtindianer

Es muss ja nicht gleich Finnland, Kanada oder ­Lake George (USA) zur Zeit der Indianer sein – auch an der Grenze Wiens zu Nieder­österreich lässt es sich grenzgenial paddeln. Seinen Anfang nimmt der abenteuerliche Kurztrip beim Fischereimuseum in Strebersdorf. Nach dreistündiger Fahrt durch die Wildnis setzt der Donau-Indianer in Kapellerfeld seinen Fuß auf festen Grund. Wer dann noch immer kein Lederstrumpf-Feeling verspürt, der probiert’s mit dem spektakulären Vier-Stunden-Trip nach ­Deutsch-Wagram.

"Das Besondere am Kanufahren im Marchfeldkanal ist, dass es Natur pur ist. Man fährt in der Stadt und trotzdem in der Natur“, erklärt Josef Weindl, erster und einziger Kanu-Verleiher in dem wenig bekannten Freizeitparadies. „Für ­Familien ist es wunderbar geeignet, mit Kindern macht das einen Riesenspaß“, so Weindl, der seine Bootsgäste bei den Ausstiegsstellen abholt und nach ­Strebersdorf zurückkutschiert.

Alleine ist man auf der traumhaften Fahrt durch Jedlesee, Großjedlersdorf und Stammersdorf nur scheinbar: Nagespuren an Baumstäm­men entlang des Ufers verraten emsige ­Biber, auch blau schimmernde Prachtlibellen, muntere Stockenten, Graureiher, Haubentaucher, Molche, Frösche, Kröten und 50 Fischarten fühlen sich pudelwohl am 18 Kilometer langen Kanal, der seit ebenso vielen Jahren die Korn- und Gemüsekammer ­Marchfeld mit Donauwasser versorgt.

Sicher kein "Fluss ohne Wiederkehr“

Stromschnellen oder ­andere Gefahrenstellen sucht man am idyllischen Kanal vergeblich – glücklicherweise. Acht ­geben sollte der Freizeitindianer nur auf Strömungen bei den Wehranlagen sowie naturgemäß auf Fauna und ­Flora. Apropos Flora – auch Pflanzen­liebhaber und Sammler kommen am Kanal im Nordosten Wiens auf ihre Kosten:

Violett blühender Blutweiderich und Wasserminze erfreuen das Auge; Kriecherl, Zwetschken, Brombeeren, Sanddorn, Hagebutten und Holunder lassen Gaumen und körpereigene Vitamin-C-Depots jubilieren. Um beim Pflücken unfreiwillige Plumpser ins Wasser zu vermeiden, empfiehlt es sich, vom Kanu auf den Gehweg umzusteigen, was kein Nachteil ist:

25 Kilometer misst der Wanderweg von Langenzersdorf bis zur Einmündung in den Rußbach bei Deutsch-Wagram. Seit sieben Jahren entpuppt sich der Marchfeldkanal auch für Radfahrer als Paradies: 60 Kilometer können Pedalfreaks entlang des künstlichen Flusses herunterspulen, vorbei an histori­schen Schauplätzen (Napoleon­schlacht bei Deutsch-Wag­ram) und an den Barockschlössern Niederweiden und Hof, wo die Route endet. Gleich 100 Kilometer kaum frequentierte Laufstrecken warten auf Jogger, auch Schulgruppen sind am Marchfeldkanal gerne willkommen (Tel.: 02247/4570-1051) – wobei natürlich auch für junge Gäste eine abenteuerliche Kanufahrt das Highlight ist.

Alternativ führen „Ranger“ des Nationalpark ­Donauauen mit dem Kanu durch die ­Lob­au. Wer sich so fit fühlt, dieserart einmal auf der Donau von Deutschland bis zum Schwarzen Meer zu gelangen, erfährt unter www.tid.at alles über die jährliche „Tour International Danubien“ des Österreichischen Kanuverbandes.

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