Spurensuche auf dem Hannovermarkt

Zwischen der Hannovergasse und der Othmargasse liegt der Hannovermarkt, der für viele der anwohnenden Brigittenauer eine unverzichtbare Institution ist. Über 50 Verkaufsstände laden zum Gustieren und Einkauf ein. Der Hannovermarkt präsentiert sich als sehr lebendiger und geschäftiger Handelsplatz, dessen Angebot sich sehen lassen kann. „Der Mitbewerb durch immer größer werdende Supermärkte hat den Wiener Märkten hart mitgespielt – durch die Fördermaßnahmen der Stadt Wien ist der schmerzliche Transformationsprozess aber in den letzten Jahren erfolgreich durchgezogen worden“, erklärt dazu Feinspitz Walter Schus­ter, der als Direktor der Volkshochschule Brigittenau den 20. Bezirk auch zu einem Zentrum kulinarischer Bildungsangebote gemacht hat. Konkret wurden die Wiener Märkte – und dabei der Hannovermarkt als Pilotprojekt – baulich modernisiert und durch Marktmanager wurde dafür gesorgt, dass das Warenangebot stimmig und abgehoben von Diskonterangeboten aufgestellt wurde und die Stärken des Marktes – Frische, Flair und Spezialitäten – in den Vordergrund rückten. Damit besinnt man sich hier alter Tugenden, wie auch ein Blick in die Geschichtsbücher beweist. 

Großer Markt auf historischem Boden

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Bereich des heutigen Wallensteinplatzes Marktstände von Bauern und Gärtnern. Der ehemalige Brigittamarkt wurde 1850 errichtet. Am 11. 9. 1905 verlautbarte der Magistrat eine Kundmachung „betreffend die Verlegung des auf dem Brigittaplatze befindlichen Lebensmittelmarktes in der Kluckygasse, Webergasse und Hannovergasse im XX. Bezirke“ (mit 15. September 1905). Mit Ausnahme der Holzhütten und Fleischstände mussten damals noch alle Waren und Stände täglich, sieben Mal in der Woche, morgens aufgebaut und abends wieder entfernt werden. Seit 1913 befindet sich der Markt an seinem heutigen Platz und 1930 erhielt er den Namen „Hannovermarkt“. Er wurde durch Kriegseinwirkungen schwer beschädigt, doch bald nach 1945 wieder aufgebaut. Seine größte Ausdehnung hatte der Markt in den sechziger Jahren mit über 90 Marktständen. Lange Zeit galt er nach dem Naschmarkt als zweitgrößter Markt Wiens. Sein heutiges Erscheinungsbild geht auf die Generalsanierung 2003, die mit EU-Fördermitteln umgesetzt wurde, zurück. An 58 Standplätzen werden nun verschiedenste Waren angeboten. In unmittelbarer Nähe der Friedensbrücke gab es zwischen dem Ende des 1. Weltkrieges bis in die späten dreißiger Jahre am Donaukanal einen Obstmarkt. Drei junge Obsthändler aus der Wachau, Ernst Kritsch aus Spitz an der Donau, Franz König und Maria Winter aus Mitterarnsdorf, entschlossen sich, Wien direkt mit Obst zu beliefern. Über einen Einkäufer aus Hütting in Oberösterreich kauften sie in der Wa­chau und in Oberösterreich die Waren ein.
Das Obst wurde auf großen Zillen über die Donau und den Donaukanal bis zur Friedensbrücke befördert und dort verkauft. Auf dieselbe Weise wurden vor Weihnachten Christbäume nach Wien gebracht. Der Holzgroßhändler Reeder aus der Treustraße kaufte danach die Flöße zur weiteren Verwertung.  

Kulinarisches für Körper und Geist

Die Vielfalt des Marktangebotes spiegelt sich auch im Kursangebot der Brigittenauer Volkshochschule wider, das von gesundheitsbezogenen Spezialkursen über individuelle Angebote wie einen „Männerkochkurs“ bis hin zu der Zubereitung von Spezialitäten aus fernen Ländern reicht. VHS 20-Direktor Walter Schuster: „Wie wär’s mit Kalbsrouladen in Malzbier geschmort, ungarischer Hausmannskost oder südvietnamesischen Spezialitäten? Was Sie dazu brauchen, finden Sie am Hannovermarkt, wie Sie es verarbeiten können, lernen Sie bei uns!“

  • Der Markt hat Montag bis Freitag, von 6 bis 19.30 Uhr, und Samstag, von 6 bis 17 Uhr, geöffnet. Die Gastronomie schließt um 21 Uhr.

Weitere Infos über Kochkurse unter www.vhs-brigittenau.at oder Tel.: 330 41 95

Die adeligen Namensgeber

Der Markt ist nach der Königsfamilie von Hannover benannt, die im preußisch-österreichischen Krieg auf der Seite Österreichs stand. Nach der Niederlage von Königgrätz (1866) flüchtete sie mit ihrem Heer nach Wien. Außer dem Hannovermarkt gab es noch einzelne Standln. Heute steht nur noch der Pferdefleischhauer bei der Friedensbrücke.

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