Was meinen Sie, Watson?

Wenig überraschend habe Film-„Sherlock Holmes“ wenig mit der Realität zu tun. „Ein Actionfilm à la Hollywood“, urteilt die staatlich geprüfte Berufsdetektivin Cornelia Haupt. „Wenn Robert Downey JR nicht mitspielen würde, bräuchte man sich den Film gar nicht anschauen.“

Die 39-Jährige ist seit 20 Jahren im Geschäft und bezeichnet alle Fälle, die „klein und unscheinbar anfangen“ und sich entwickeln, als „spannendste Fälle“. „Für mich persönlich sind die spannenden Fälle diejenigen, wenn es um Firmenverflechtungen, Geldverschiebungen, fingierte Firmengründungen etc. geht. Ich arbeite fast ausschließlich als Wirtschaftsermittlerin und sitze dann umgeben von zig Ordern, tonnenweise Papier vor meinen Schreibtisch und versuche den Fall, wenn möglich, visuell und vereinfacht darzustellen und alle Verflechtungen zu beschreiben. Was oft nicht so einfach ist, wenn 20 Personen, 200 Firmen und das alles in verschiedenen Ländern passiert. Das beginnt bei einfachen Firmenbuchauszügen, Kaufverträgen von Grundstücken, Wohnungen, Gesellschafterverträgen, Jahresabschlüssen, Aktienberichten bis zu Pressespiegeln.“ Generell sei jede Observation spannend, so der Profi.

Sie erzählt: „Sobald die Zielperson in Erscheinung tritt, schießt das Adrenalin in die Höhe und man versucht mit allen Mitteln nicht abgehängt zu werden. Was in Großstädten, wie Wien, nicht so einfach ist. Ich wurde gefragt „Was ist das Gefährlichste an ihrem Job" – Der Straßenverkehr, ganz einfach. Und die Gefahr sich eine Blasenentzündung zu holen, weil man einfach keine Möglichkeit hat eine Toilette aufzusuchen. „Matula" hatte das Problem nie, er fand immer vor der Tür einen Parkplatz, hat eine überdimensionale Blase. Dafür kriegt er in jeder Folge eine auf die Nase.“

Haupt, die auch die Fachzeitschrift „der detektiv" heraus gibt, delegiert und organisiert vom Schreibtisch aus – im IT-Bereich („Informationstechnologie“) immer am Laufenden zu sein, sei wichtig.

Interessante Fakten: Während es 1974 erst 7 Detektivbüros in Wien gab, waren es 2009 schon über 80. Circa 10 % der Büros seien in weiblicher Hand, schätzt die Ermittlerin.
Die Anfänge der österreichischen Detektive sind in pensionierten Kriminalbeamten zu finden, die vorwiegend für den Adel „Familienangelegenheiten“ regelten. 1904 wurde der Berufsstand von der k.u.k. Monarchie zum konzessionierten Gewerbe erklärt. Seit 1973 gibt es den Begriff Privatdetektiv nicht mehr – der Berufsdetektiv wurde eingeführt.

Wie inzwischen überall ist auch bei den Berufsdetektiven ist eine gute Ausbildung das Um und Auf: In Wien gibt es den FH-Lehrgang „Integriertes Sicherheitsmanagement".
An der Donau Universität Krems kann man „Security und Safety Management “ belegen und an der FH St. Pölten „IT Security“.

Weiter lesen:
Österreichischer Detektiv-Verband
Fachverband der österr. Berufsdetektive
Europäischer Detektiv-Verband
Fachzeitschrift der detektiv

„Ich rate nie!“ (Sherlock Holmes)

  • Adresse: Hauptstraße 110, 1140 Wien

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