Wenn ein Fußballspiel fast die Stadt lahmlegt

Angenehm ist es nicht, an diesem Tag im Grätzel rund um den Verteilerkreis zu wohnen. Genauso wenig wie umgekehrt für die Bewohner von Hütteldorf. Es ist Ausnahmezustand. „Das Derby ist unser Höhepunkt, es ist das Größte für uns“, sagt Rapid-Ultra Jürgen R. Er freut sich auf Favoriten. Verspricht aber: "Keine Aggressionen!“ Einen friedlichen Fanmarsch. Trotzdem sollten lärmempfindliche Damen, Herren und Kinder ab 12 Uhr aufpassen. 

Bis zum Wochenende gab es keine Anzeichen für gewalt­tätige Pläne. Da gab es schon andere Jahre, die an "Krieg“ erinnerten. "Am ärgsten war es zu Zeiten eines Didulica vor vier, fünf Jahren“, erinnert sich Austrias Stadion- und Sicherheitsverantwortlicher Chris­tian Rauchhofer mit Schaudern ­zurück.

Warum zuletzt ­niemand ausrastete

Speziell die letzten zwei Derby-Jahre waren anders: "Das liegt sicher daran, dass die Fans von der Polizei enger begleitet werden und dass es schon im Vorfeld durch szenekundige Beamte mehr Kontakt gibt“, betont Favoritens ­Polizei-Einsatzleiter Michael ­Lepuschitz. Seit Tagen wird im Stillen, abseits der Öffentlichkeit, daran gearbeitet, dass am Sonntag (28. 11., Anpfiff um 16 Uhr) ­alles gesittet bleibt.
Wohl auch bei Rapid, wobei  letzte Woche fast ­eine gespenstische Ruhe zu dem Thema herrschte. Weder in ­Fankreisen noch offiziell wollte man etwas sagen.

Dass bei der Austria zuletzt aktiv für mehr Sicherheit gesorgt wurde, bestätigt Rauchhofer: "Die neue Osttribüne hat sich auf jeden Fall bewährt.“ Damit geht einher, dass die 2.000 Rapid-Fans ­gegenüber auf der Westtribüne sitzen. Und am Derby-Sonntag von der Polizei direkt dorthin begleitet werden – vorgesehen ist wie letztes Jahr, sie vom Reumannplatz abzuholen und über die ­Laaer-Berg-Straße direkt zur Westtribüne zu führen.
Die Austria-Fans wiederum werden laut Polizei-Boss Michael Lepuschitz über die Favoritenstraße direkt zur Osttribüne geleitet: "Unsere Hauptaufgabe ist es an diesem Tag, die beiden Fangruppen vonein­ander zu trennen.“ Gänzlich grünes Licht für den Sonntag kann der ­Einsatzleiter aber nicht geben. Denn: "Wir haben erst am 23. 11. die Sicherheitsbesprechung mit allen Beteiligten, und danach lege ich den genauen Ablauf fest.“

Genug Polizisten und Hubschrauber

Faktum ist, dass am Sonntag mindestens 100 Polizisten im Einsatz sein werden: "Das kann sich auf 300 erhöhen, im Extremfall sogar innerhalb kurzer Zeit bis auf 1.000. Wir sind auf alles vorbereitet.“ Außer­dem stehen am Sonntag bis zu zwei Polizeihubschrauber zur Verfügung.

"Wir werden sehr erleichtert sein, wenn das Derby ohne Zwischenfälle vorüber ist“, so Rauchhofer. Schon fünf Meetings hat es bei der Austria ­dazu gegeben – bei "normalen“ Spielen reicht eines.
Im Stadion selbst ist alles auf Schiene: Der Polizei wird ein privater Sicherheitsdienst zur Seite gestellt. Vor den beiden Fantribünen sind Wurfnetze gespannt, Überwachsungskameras filmen live mit und senden direkt ins Innenministe­rium. Und: Pyrotechnik ist in Absprache mit der Polizei teilweise erlaubt. Ein Entgegenkommen, das die Fans hoffentlich zu schätzen wissen …

Die Prognose: Der WIENER BEZIRKSBLATT Derby-Check 

Bühne frei für das 295. Wiener Fußball-Derby. Was in der Saison bisher
war, ist egal. Ein Derby-Sieg zählt sowohl für Violett als auch für
Grün-Weiß doppelt. Das WIENER BEZIRKSBLATT stimmt dich darauf ein. 

Verteidigung

Derby - Verteidigung

Hinten stand die Austria mit Klein, Dragovic & Co zuletzt besser, die Defensive war die Schwachstelle der Grün-Weißen.

Defensives Mittelfeld

Derby - Defensives Mittelfeld

Baumgartlinger und (Ex-Rapidler) Hlinka gegen Pehlivan und Heikkinen. Beide „Doppel-Sechser“ sind ein Prunkstück.

Offensives Mittelfeld

Derby - offensives Mittelfeld

Punkt an Violett. Junuzovic & Co sind über die Rapid-Offensive ohne Hofmann zu stellen. Der grüne Kapitän fehlt vermutlich.

Außenbahnen

Derby - Außenbahnen

Hier geht der Punkt an die Hütteldorfer. Kavlak, Saurer, Drazan – das Angebot ist größer als bei den Veilchen.

 
Angriff

Derby - Angriff

FAK hat "Knipser“ Linz und den wieder genesenen Jun. SCR hat Verletzungs­sorgen, aber Salihi, Gartler steigerten sich.

 
Trainer

Derby - TrainerSobald Austria schwächelt, ist Daxbacher im Kreuzfeuer. Bei Rapid hat sich Pacult Kredit erarbeitet. Offen, ob das beim Derby hilft.

Fans und Stadion

Derby - Fans und StadionAuch im "Horr“ werden 2.000 Rapid-Fans viel Stimmung machen. Aber Favoriten ist Austria-Land – 11.000 Fans sind lauter.

Derby-Gesetze

Derby - Derby-Gesetze

Hier glauben wir, dass beides möglich ist, dass die Tagesform entscheiden kann. Ein Derby hat immer seine eigenen Gesetze.

Zahlen, Daten, Fakten

1911

fand das 1. Wiener Derby auf dem WAC-Platz statt. Rapid siegte 4:1.

65

Mal spielten die Großklubs im Derby remis.

294

Duelle der beiden Wiener Großklubs gab es bisher.

6:0

war der höchste Austria-Sieg am 11. 10. 1969.

107

Mal holte die Austria den "Sieg der Siege“.

12

Tore fielen bei zwei Derbys 1930 (8:4 für Austria) und 1950 (7:5 für Rapid).

122

Mal gewann Grün-Weiß gegen den Erzrivalen.

250

Der runde "Derby-Geburtstag“ fand im August 2007 statt.

60

Spieler und Trainer wagten es, für beide Teams aufzulaufen –
nicht immer ohne Pfiffe …

19

Mal endete das Derby torlos.

9:0

war der höchste Rapid-Sieg am 2.7.1916.

1950

fand eines der legendärsten Derbys statt: Bei strömendem Regen vor 55.000 Zuschauern im Prater-Stadion siegte Rapid gegen die Austria 7:5. Zur Pause hatte Violett noch mit 4:3 geführt.

  • Adresse: Fischhofgasse 14, 1100 Wien

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