Wien – Welthauptstadt ?der Hoffnung

Rights Here, Right Now! Unter diesem Motto treffen sich weltweit renommierte Wissenschaftler sowie Vertreter von NGOs und Selbsthilfegruppen, um den Status quo der momentanen Ausbreitung von HIV, den Fortschritt medizinischer Therapiemöglichkeiten und die soziale Situation Betroffener zu diskutieren. Brigitte Schmied, Österreichs führende HIV-Medizinerin und Vize-präsidentin von AIDS 2010, betont den enormen Einfluss des jährlichen Treffens. So ­habe zum Beispiel die Konferenz 1996 in Vancouver Maßgebliches erreicht. "Damals kamen die ersten Studienergebnisse über die Kombinationstherapien, nur dass diese Therapien nicht allen zur Verfügung standen, weil die Zulassung noch nicht da war. Durch die Verbreitung dieser damals sensationellen Neuigkeiten hat sich auch die Community so gestärkt gefühlt und mit Medien­unterstützung derartig Druck gemacht, dass die Therapien frühzeitig zugelassen wurden und tatsächlich Millionen Menschen das Leben gerettet haben.“

Osteuropa und Zentralasien

Für Wien erwartet man sich einen enormen Umdenkprozess in Osteuropa und Zentralasien, wo die Zahlen der HIV-Neuinfektionen explodieren. Das Hauptrisiko in dieser Region ist der intravenöse Drogengebrauch.
"Dazu kommt, dass Präventionsstrategien wie Opioidsubstitutionstherapie und Nadel- bzw. Spritzentauschprogramme vielfach nicht vorhanden sind, weil sie gesetzlich verboten sind“, erklärt Brigitte Schmied. Und da es auch kaum Aufklärung gibt, wissen 40 Prozent der jungen Menschen nicht einmal, dass Aids überhaupt existiert. Wie sollten sie sich also davor schützen? Hier eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erzielen, ist ebenso eine Hoffnung der Konferenz wie ein starker Fokus auf die Einhaltung der Menschenrechte. Denn wo Menschen Angst vor Diskriminierung haben, lassen sie sich auch nicht testen. Ein Problem, das man übrigens auch in Österreich kennt. Hier erfahren 30 Prozent die Dia­gnose erst beim Auftreten erster Aids-definierender Erkrankungen, da sie aus Angst vor Stigmatisierung auf den Test verzichten. Weswegen Menschen auch bei uns noch an Aids sterben, was bei früherer Erkennung nicht notwendig wäre. 43,3 Prozent infizieren sich hierzulande auf heterosexuellem Weg, weil viele noch immer glauben, keiner Risikogruppe anzugehören.

AIDS-Kongress_Brigitte Schmied

"Risikogruppen gibt es nicht“, so Brigitte Schmied, "nur Menschen mit Risikoverhalten.“

Auch der Life Ball am 17. Juli widmet sich verstärkt einem Land Osteuropas – der Ukraine, wo 440.000 Menschen über 15 Jahre HIV-positiv sind.

Global Village bei Aids 2010

"Besonders betroffen sind Kinder und junge Frauen, daher unterstützen wir ­heuer schwerpunktmäßig jene Einrichtungen mit der Elton John Aids Foundation, die Direkthilfe leisten“, so Life-Ball-­Organisator Gery Keszler.
Der bunteste Teil der 18. Internationalen Aids-Konferenz ist wohl das Global Village, in dem Initiativen aus der ganzen Welt zusammenkommen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Mit Tanz, Theater, Musik, Filmen, Modeschauen, Netzwerkzonen und Infoständen bei freiem Eintritt in der Halle A auf dem Messegelände Wien-Prater. Hier ist die Welt von HIV/Aids tatsächlich ein Dorf – und wir alle können etwas lernen!

Die Zahl der Woche – 43

Prozent aller HIV-Neuinfektionen in Österreich geschehen über heterosexuellen Kontakt. Fast 30 Prozent erfahren erst bei der ersten Aids-definierenden Erkrankung davon. 

Positive Hilfe

HIV ist nicht nur bei der Welt-Aids-Konferenz ein Thema – im Tageszentrum der Aids Hilfe Wien, bei HIVmobil,
dem Buddy Verein oder dem Verein Positiver Dialog bekommen Betroffene Unterstützung.

BUDDY VEREIN.
AIDS_BuddyEin sogenannter Buddy unterstützt Betroffene auf emotionaler Ebene, indem man einmal wöchentlich etwa Kaffee trinken oder ins Kino geht. Manuela Holzmayer engagiert sich seit eineinhalb Jahren, ehrenamtlich, wie alle hier. Die 26-Jährige unterstützt als Helferzelle in praktischen Belangen. Sie wolle helfen, ohne Geld geben zu müssen, Zeit als wertvolles Gut. "Wenn sich der Klient freut, reicht das.“ www.buddy-verein.org

AIDS HILFE WIEN, TAGESZENTRUM.
AIDS_AidshilfeEin Treffpunkt für Menschen mit HIV/Aids sowie Freunde, Angehörige – mit Essbereich, Wohnzimmer, Internetcafé, TV, Wuzler. "Man sitzt beisammen, und daraus ergeben sich dann die unterschiedlichsten Themen“, erzählt Betreuerin Tina Müller. Geboten wird eine Tagesstruktur – durch regelmäßige Essenszeiten, mit einem Aktivprogramm, von Keramik bis Karate, Angeboten wie Massage oder Gesangsunterricht. www.aids.at

HIVMOBIL.
AIDS_HivmobilBeate Dannoritzer und Jan Kubicek leiten die medizinische Hauskrankenpflege und Sozialbegleitung. An die 12 diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger betreuen 50 Klienten, von einmal im Monat bis zu dreimal täglich. Das Spektrum reicht von Infusionstherapie oder Wundmanagement bis zur Langzeitpflege. "Unser jüngster Patient war 19, der älteste ist über 70.“ www.hivmobil.org

POSITIVER DIALOG.
AIDS_positiver DialogAndreas H., selbst betroffen, engagiert sich seit drei Jahren im Selbsthilfeverein Positiver Dialog. "Der Vorteil ist der Austausch auf gleicher Ebene.“ Themen sind Partnerschaft, Finanzen, Ausgrenzung, Beruf. Bei der Welt-Aids-Konferenz betreibt der Positive Dialog u. a. ein Café im Global Village, wo gegen freiwillige Spenden Getränke und Süßes ausgegeben werden. www.positiverdialog.at

(Bericht: Klaus Peter Vollmann)

  • Adresse: Messeplatz 1, 1020 Wien

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