Das Museum als Abbild der wachsenden Donaumetropole

Seit 2015 ist Matti Bunzl Chef des Hauses am Karlsplatz. Im Gespräch mit dem WIENER BEZIRKSBLATT gibt der Direktor Einblicke in die Geschichte der Stadt und seine Museumsphilosophie. Es ist pure Begeisterung für Wien, die aus Matti Bunzl spricht. Nach vielen Jahren in Chicago, wo er im Universitäts- und Festivalbetrieb tätig war, ist der 46-jährige Historiker seit 2015 in Wien. Über das Stadtmodell gebeugt, gibt der Direktor des Wien Museums nicht nur interessante Einblicke in die bewegte Vergangenheit der Donaumetropole, sondern auch Ausblicke in die Zukunft einer wieder wachsenden Stadt: „Wenn wir zurückschauen, dann war Wien Anfang des 13. Jahrhunderts eine Stadt vergleichbar mit Regensburg oder Passau. Regional wichtig als Handelsort, aber keine Metropole.“ Zur Entwicklung zur Millionenstadt trugen viele Faktoren bei – ein wichtiger davon war die Migration, schon im Mittelalter und in der Neuzeit. „Ohne die Einflüsse, etwa aus Frankreich im 13. Jahrhundert und Italien im 16. Jahrhundert, und ohne den böhmischen und jüdischen Zuzug im 19. Jahrhundert wäre Wien nicht zur Weltstadt geworden, die es heute ist“, so Bunzl.

Bildungsauftrag

Bunzl sieht daher auch die Geschichte der Stadt als vielschichtige Erzählung. In den kommenden Jahren soll das Wien Museum umgebaut werden. Dem Direktor ist dabei auch die weitere Öffnung für die Bevölkerung wesentlich. „Im Gegensatz zu vielen anderen wunderbaren Museen der Stadt kommt bei uns der überwiegende Teil der Besucher aus Wien. Darin sehe ich auch einen Bildungsauftrag, den wir als Museum wahrnehmen.“ Mit über einer Million Objekten ist das Wien Museum, das früher Historisches Museum der Stadt Wien hieß, auch für die größte Sammlung an historischen Dokumenten und Artefakten der Stadt verantwortlich. Im Rahmen der ­Erweiterung sollen neben den klassischen Ausstellungsräumen und -objekten auch neue Räume der Begegnung entstehen. Für Diskussionen, Veranstaltungen, Workshops und mehr. Bereits jetzt ist das Museum im Rahmen eines Pilotprojekts in Wiener Schulen präsent und regelmäßig befassen sich Schüler mit ihrer Stadt. „Die Möglichkeit, sich gerade als junger Mensch über und mit der Stadt durch ihre Geschichte auseinanderzusetzen und zu identifizieren, unabhängig von ethnischer Herkunft und Tradition, finde ich faszinierend“, so Bunzl.

Wiener Popmusik

Die nächste Ausstellung des Wien Museums startet am 14. September. In „Ganz Wien. Eine Pop-Tour.“ begeben sich die Besucher auf eine Reise in die vielschichtige und abwechslungsreiche Welt der Populärmusik in Wien. Neue Präsentationstechniken sollen den Besuch zum audiovisuellen Erlebnis machen.

Ausstellungen und Umbau

Der genaue Starttermin für die Umgestaltung des Karlsplatzes und den Umbau des denkmalgeschützten Wien Museums ist noch nicht festgelegt, im Laufe der nächsten Monate soll die Entscheidung dazu fallen. Bis zur vorübergehenden Schließung während der Umbauphase wird der Regelbetrieb aufrechterhalten.

Zusätzlich zum Haupthaus am Karlsplatz stehen auf die ganze Stadt verteilt Exposituren des Wien Museums. Einen Überblick über die aktuellen Ausstellungen vor Ort und den Umbau gibt es online unter: www.wienmuseum.at und www.wienmuseumneu.at

Matti Bunzl © Stefan Diesner

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