Wiener Sängerknaben gehören nun zum Weltkulturerbe

Die Ausbildungs- und Chortradition der Wiener Sängerknaben wurde ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Gerald Wirth, Präsident der Wiener Sängerknaben und der berühmteste Knabenchor der Welt selbst zeigten sich überglücklich: „Es ist eine Ehre, und es freut mich besonders, dass mit dieser Auszeichnung die musikalische Besonderheit und die einzigartige Ausbildung der Wiener Sängerknaben gewissermaßen geadelt wurden. Uns geht es darum, Kinder auf das Leben in sozialer und kultureller Hinsicht bestmöglich vorzubereiten. Wir wollen ihnen etwas mitgeben, mit dem sie die Gesellschaft positiv beeinflussen können: Musik.“ Schulsprecherin Johanna Bichel, 17: „Es ist ein tolles Gefühl, Teil einer solchen Tradition zu sein.” Auch Sängerknabe Philipp, 12, fühlt sich geehrt und „ziemlich historisch.”

Die Wurzeln der Wiener Sängerknaben reichen mehr als 500 Jahre weit zurück. Die Knaben in der Hofkapelle Kaiser Maximilians musizierten zunächst für den Hof. Jeden Tag wurde ein Gottesdienst gesungen. Dieser ursprünglichen Funktion kommen die Wiener Sängerknaben bei den sonntäglichen Messen in der Wiener Hofburgkapelle noch heute nach. Heute gehören Konzerte und Tourneen in alle Welt zum Alltag des Traditionschors, dessen Campus inzwischen um eine Volksschule und ein Oberstufengymnasium erweitert wurde: So ist die Ausbildung auch Mädchen zugänglich. Die etwa hundert aktiven Wiener Sängerknaben im Alter von zehn bis vierzehn Jahren sind aufgeteilt auf vier gleich große Chöre. Dazu kommen ein Mädchenchor, der Elevenchor der Volksschule, der Kammerchor der Oberstufe und der Chorus Juventus, in dem die 100 Schülerinnern und Schüler des Oberstufenrealgymnasiums singen. Die künstlerische Tradition zeichnet sich durch eine spezielle technische Ausbildung und die Weitergabe des typischen Chorklangs aus. Begleitet wird die Ausbildung von identitätsstiftenden Ritualen, wie der Übergabe der Uniform an die Eleven am Ende der 4. Klasse Volksschule und der feierlichen Verabschiedung.

Mit der Verlegung seiner Hofmusik von Innsbruck nach Wien hat Kaiser Maximilian Ende des 15. Jahrhunderts den Grundstein für die lange Tradition der Wiener Sängerknaben gelegt, indem er ausdrücklich befahl, dass sich unter den Musikern sechs Knaben befinden sollten. Seit mehr als einem halben Jahrtausend wird von dem aus den k.u.k. Hofsängerknaben entstandenen Chor die Kunst des Knabengesangs weitergegeben. Die nötigen Techniken erlernen die Kinder und Jugendlichen in den täglichen Proben. Besonders wichtig ist die Stimmbildung: Je besser jeder Einzelne die Techniken beherrscht, desto mehr von sich kann er oder sie einbringen, desto besser der Chorklang. Jedem der Chöre ist ein Kapellmeister als Dirigent zugeordnet, der das Repertoire einstudiert und die Kinder und Jugendlichen musikalisch bildet: Schülerinnen und Schüler der Wiener Sängerknaben sollen lernen, sich in Musik auszudrücken.

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