Wohnen im Wartehäuschen

Die Künstlerin Barbara Ungepflegt wohnte zwei Wochen lang in einem extra für sie aufgebauten Bus-Wartehäuschen. Sie bereitet nun eine Dokumentation über dieses einzigartige Erlebnis vor.

Der im September über den Wallensteinplatz ging, ­bemerkte ein doppeltes Wartehäuschen neben der 5B-Station: Die eine Hälfte besaß nicht drei Wände, sondern vier und im Inneren war ein kleines Wohnzimmer aufgebaut: ein grünes Sofa, ein Tisch, zwei Sessel, ein Gas­kocher und im Wandregal ein kleines Radio, Bücher und jede Menge Fotos, Figürchen und auf dem Boden eine ­Marienstatue.

„Am Tag meines Einzugs war Toni Faber hier, um mein neues Heim zu segnen“, erzählt Barbara Ungepflegt. Die Installationskünstlerin, die im Brotberuf Lehrbeauftragte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ist, trägt eine knallrote Kunstpelzhaube und Anorak: Es hat etwas mehr als zehn Grad. Wie sind die Nächte, außer kalt? „Ich schlafe schlecht“, sagt Ungepflegt. „Manchmal klopfen Männer an die Scheiben und sagen grausliche ­Sachen.“ Ansonsten wird
sie verwöhnt: Anrainer bringen Lebensmittel, eine Friseurin bot ihr einen Gratis-Haarschnitt an. Wer hereinkommt, bekommt Kaffee, Tee oder Wein angeboten.

Mit ihrer Installation, die sie „Airpnp – Air pause and peep“ nennt, will sie auf die problematischen Folgen der Plattform Airbnb aufmerksam machen. „Dass Immobilienhaie Wohnungen aufkaufen, um sie zu vermieten, schadet nicht nur der Hotellerie, ­sondern auch den Einheimischen, für die sich die Wohnungen verteuern“, sagt Ungepflegt. Ende September wurde das Häuschen abgebaut, die Künstlerin übersiedelte wieder in ihre eigene Wohnung: ein warmes Heim, eigene Toilette und ungestörte Nächte. Über ihre Erlebnisse im Wartehäuschen wird sie eine Dokumentation zusammenstellen.

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