Zimmer frei im Ottakring von damals

"Wir sind Alt-Wien“, sagt Junior-Chefin Patricia Tomek. "Wo ist das Wienerische schon noch?“ Wien ist Xenia Hauser, wie das alles überthronende Gemälde im Saal annehmen lässt. Wien ist Schaukelpferd, ist Puppe, ist Erdbeervorhang. Wien ist ein Sammelsurium, ein bisschen kitschig, aber kultig. Auf das Hotel Schwalbe umgelegt: "Herzlich, kultig, familiär“. Das Credo der Tomek-Frauen ("Die Männer wollen nicht so viel arbeiten“) zieht. Bis 2008 hatten die 16 Zimmer eine Auslastung von 80 %. "Jetzt sind die Zeiten schwieriger.“ Die 38-Jährige spricht von Preiskampf, Überangebot an Betten und Preisen auf einem Niveau von vor drei Jahren. Im Hotel Schwalbe kostet das Doppelzimmer 85 bis 125 Euro. "Die Leute kommen wegen uns“ und das aus Deutschland, der Schweiz und ganz Europa. "Ich kann ja das Hotel nicht nehmen und auf den Stephansplatz setzen“, lacht sie. "Ich muss das Beste aus den Ressourcen machen.“

"Bei uns passiert irgendwie viel …“

Das Hotel Schwalbe ist ein gutes Beispiel für die alte Weisheit, dass es unmöglich ist, nur in der Gegenwart zu leben. Man steht immer mit einem Fuß in der Vergangenheit und mit einem in der Zukunft. Und erst die Vergangenheit verleiht der Schwalbe ihre Flügel. Ab 1907 war das Gasthaus Vanecek Treffpunkt der Ottakringer Gesellschaft. Es gab einen Tanzsaal und einen Rauchclub. Dass das Zinshaus "langsam zum Hotel geworden ist“, sei so nicht von langer Hand geplant gewesen. "Bei uns passiert irgendwie viel“, gluckst die Tochter des Hauses mit Blick auf ihre Findelkinder, einen Hund und einen Hasen.

Versuchen, alles aus Bezirk zu beziehen

Patricia selbst kam erst in die Degengasse zurück, als ihr Großvater zum Pflegefall wurde. "Er ist im 1. Stock dieses Hauses geboren und im 3. gestorben“, erzählt sie aus der Familienchronik, die untrennbar mit der des Hauses verknüpft ist. Mutter Anna lebt im Hotel, die Tochter in Fußdistanz. Die Schwalbe wird von einem 4er-Gespann geleitet, das Patricia offensichtlich nicht zum ersten Mal charakte­risiert: "Es gibt die Frau Chefin, also die Mama, die Arbeitsbienin, das bin ich, eine Perle und eine Stütze.“ Irgendwie ist aber halb Ottakring in der Degengasse vertreten. Das Porzellangeschirr auf dem Frühstückstisch ist von mano design in der Grundsteingasse, das Brot vom Bäcker ums Eck, das Obst vom Brunnenmarkt und der 70-jährige Elektriker hat auch nicht weit hierher.

Schwalben sollen zurückkehren

Im Kulthotel wird jedes Jahr gebaut, das alte Gemäuer in Schuss gehalten. "Die Leute wollen ja etwas für ihr Geld.“ Und Tomek versteht es, die Vergangenheit, das eingangs erwähnte Alt-Wien, wieder aufleben zu lassen. Der Schwalbe KulturSalon bringt die Ottakringer wieder in die Degengasse ("Ich habe gar nicht gewusst, was für tolle Leute in diesem Bezirk wohnen!“) und nächstes Jahr sollen sogar die Schwalben zurückkommen. Mit Hilfe des Konrad Lorenz Instituts möchte Tomek die Zugvögel anlocken und ansiedeln. Eben so, wie es früher einmal der Fall war. Damals in Alt-Wien.

  • Hotel Schwalbe, Degengasse 45, 1160 Wien, Tel.: 01/486 11 81
  • 17. 12., Schwalbe KulturSalon: "Barockes Rendezvous“: Barocke Texte, gelesen von Robert Eder, Marlies Reyer antwortet mit barocker Blockflötenmusik, 19.30 Uhr, im Saal, für Punsch und Maroni ist gesorgt.
  • Tel.: 486 11 81
  • Adresse: Degengasse 45, 1160 Wien

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *