30 Jahre Verband Filmregie Österreich

Freitagabend wurde im Odeon Theater großes Kino geboten: Der Verband Filmregie Österreich lud anlässlich seines 30-jährigen Bestehens zur großen Festnacht und feierte ein filmreifes Jubiläum. Der Berufsverband versammelt 140 Regisseur*innen und vertritt ihre Anliegen in allen filmpolitischen Fragen, setzt sich für ihre Rechte etwa bei Gagen ein und widmet sich Herausforderungen wie digitalen Auswertungsmöglichkeiten und Streamingdiensten. Vorstandsmitglied Elisabeth Scharang betonte den Kampf des Verbands um die Gleichstellung für Frauen in der Filmbranche: „Wir kämpfen gegen die Schieflage bei der Bezahlung und für eine gerechte Auftrags- und Mittelvergabe – wir brauchen eine Gleichstellung. Und zwar heute und nicht übermorgen.“

Filmmanifest.
Bei der Rede der vier Vorstandsmitglieder Scharang, Veronika Franz, Stephan Richter und Tereza Kotyk stellten sie der Kollegenschaft zudem ein filmpolitisches Manifest vor, das wichtige Themen des Verbands hervorhob. Zentrale Forderungen daraus: eine längst anstehende Aufwertung des österreichischen Films in der Kultur und Bildungspolitik, eine wendige Nachwuchsförderung, aktive Maßnahmen gegen die Altersarmut von Kunst- und Filmschaffenden, Film als Teil der Bildung an Schulen und die Rückkehr des österreichischen Kinofilms in den Hauptabend von ORF 1 und ORF 2. Über allem steht die Forderung nach einer beständigen Anhebung der Filmfördermittel. Dafür gab es großen Applaus aus dem Publikum. „Wir fordern heute Abend aber auch die Solidarität unter den Filmregisseurinnen und -regisseuren. Wir alle brauchen dringend mehr Rückhalt. Nur wer sich sicher fühlt, kann sich auch weit aus dem Fenster lehnen. Filmemachen ist ein riskantes Unternehmen. Und ohne Risiko gibt es keine Qualität“, betonte Vorstandsmitglied und Regisseur Stephan Richter.

DIE HÖHEPUNKTE DER JUBILÄUMSGALA

Nach dem musikalischen Entrée durch Pop-Cellistin Marie Spaemann entwickelte sich auf der Theaterbühne eine amüsante Diskussion zwischen Kitty Kino und Paulus Manker. Unter einem Foto der Verbandsgründer Michael Haneke, Wolfgang Glück, Niki List, Franz Novotny, Peter Patzak, Dieter Berner und Manker aus dem Jahr 1989 erzählten sie im Interview über dessen wilden Anfänge. Weil kollektive Entscheidungsfindung Teil der Agenda war, mussten alle Mitglieder bei anstehenden Anliegen per Festnetz durchtelefoniert werden. Der Verband hat damals die Gründung des AFC, der Austrian Film Commission durchgesetzt; die Grundlage dafür, dass der österreichische Kinofilm auf internationalen Festivals so erfolgreich geworden ist. Auf die Frage, warum Regisseurinnen wie Käthe Kratz oder Kitty Kino nicht auf dem Gründungsfoto sind, antwortete Kitty Kino trocken: „Weil die Männer dann doch wieder unter sich sein wollten, nachdem sie mit der Einführung der Filmförderung 1980 gemerkt hatten, dass wir Frauen auch Filme machen können.“

Im anschließenden Talk schilderten Michael Kreihsl und Barbara Albert, wie sie die Vorstandsarbeit im Verband übernahmen und in neue Zeiten führten. Geprägt war diese Zeit vor allem vom Widerstand gegen die Regierung von Schwarz-Blau I, dem Einfluss der FPÖ und den Plänen des damaligen Staatsekretärs für Kunst und Medien Franz Morak für eine massentaugliche Diagonale, so Kreihsl. Albert berichtete davon, wie trotz Verteilungskämpfen Solidarität hergestellt wurde, indem man sich zusammenraufte.

Lacher für Maschek. Nach einem in Memoriam für verstorbenen Kolleg*innen wie Karin Brandauer, Axel Corti, Kurt Kren, Florian Flicker oder Michael Glawogger, wurde es heiter. Das Kabarettduo Maschek widmete sich in einem hochkomischen Beitrag den Tiefen und Untiefen der österreichischen Filmlandschaft. Michael Haneke, der bei einer Unterhaltung mit seinem Fahrer darüber sinniert, wie er seinen Oscar-Erfolg noch toppen kann und über „Amour 2 – Die Fete geht weiter“ fantasiert, provozierte Szenenapplaus bei den Gästen und Sinn für Selbstironie.

Bei einer Laudatio von Anja Salomonowitz und Antonin Svoboda wurde danach der Regisseur Wolfgang Glück geehrt, der mit „38 – Auch das war Wien“ 1997 eine Oscar-Nominierung für den Besten fremdsprachigen Film bekam. In einer Rede erinnerte sich der im September 90 Jahre alt gewordene Glück seiner Anfänge als Regie-Assistent und bedankte sich mit berührenden Worten: „Nach dieser ersten Erfahrung hat mich der Film nicht mehr losgelassen – oder ich ihn. Alles andere ist nicht interessant. Es war ein wunderbares Leben und ist es heute noch. Ich danke Ihnen sehr.“

Mehr Geld.
Um das hohe Ansehen des österreichischen Films weiter zu gewährleisten, wies die Wiener Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler auf einige politische Weichenstellungen hin: Unter anderen werde das Filmbudget 2020 um 1,1 Millionen erhöht. Filmfestivals würden damit mit einer Million Euro unterstützt. „Wir brauchen Ihre Intelligenz, Ihren Widerspruch und Ihre Fantasie“, so Kaup-Hasler in Richtung der Filmschaffenden.

Aufreger.
Am Ende des Abends stand noch ein Aufreger: Der Verband Filmregie Österreich und die unabhängige Rechercheplattform DOSSIER gaben die Initiierung einer neuen Auszeichnung bekannt: dem IBIZA-Preis. Anlass dazu gab das berüchtigte Ibiza-Video, das seit Mai die Republik erschüttert und zum Rücktritt der Regierung führte. „Es ist wichtig, die Werkmächtigkeit besonderer Filme zu würdigen“, so Novotny, der die Idee zu diesem Preis gab, und griff als Beispiel etwa Videos von Polizei-Übergriffen heraus, die der IBIZA-Preis anerkennen wird. Der Preis, der „das Demokratie-Verständnis schärfen soll“, wird erstmals im Jänner 2020 verliehen.