Bobby Sommer: Liebeserklärung an den Augarten

Kein Gebiet gibt mir mehr das Gefühl, zu Hause zu sein, als diese 52,2 Hektar große Parkfläche. Was habe ich im Augarten nicht alles erlebt: den ersten Kuss – mit drei Jahren in der Sandkiste, wenngleich man diesen „Liebes­beweis“ auch als Unge­schicklichkeit auslegen könnte.

die angebetete
Ich war möglicherweise nur auf ihre Wange gefallen. ­Daraufhin drosch mir nach Anga­ben meiner Eltern die Angebetete ihr Schauferl auf den Kopf. Ich habe sie nie wieder gesehen.
Meine erste Autofahrt – ich war eines der auserwählten Kinder, die mit einem feurig-roten Tretmobil über den Schotter rasten: den linken Arm lässig angewinkelt, und mit dem Zeigefinger der rechten Hand locker das Lenkrad drehend. 
Der erste Schwimmzug – ohne aufgeblasene Flügerln an den dünnen Oberarmen im Familien-Freibad. Die erste Ohnmacht, weil ich in meiner Sturm-und-DrangZeit mit dem Fahrrad stürzte und mit dem Kinn an die Kante der Sandkiste prallte. 
Das erste Tor – und was für eines: Ein Schuss mit dem Leder­ball genau ins Kreuz­eck – Goalie Hans, mein Schulkollege aus dem Gymnasium, war chancenlos. 
Mein erster Sieg – auf der Leichtathletik-Bahn lief ich im Turnunterricht die 1.000 Meter in unter drei Minuten und distanzierte alle anderen. 

gebt gas!
Und jetzt sitze ich hier als Schriftsteller im Schanigarten des Cafés, schreibe diese ­Zeilen, trinke ein kleines Bier und beobachte einen Buben, der stolz sein Tretauto präsentiert. Da wird mir bewusst: Eine neue Generation übernimmt den Augarten. Gebt Gas wie wir und habt genau­so viel Spaß am Leben!
Bobby Sommer