Irritiert und verwundert zeigt sich Tanja Wehsely von der Volkshilfe Wien über das Platzen eines seit 2018 gut vorbereiteten Sozialprojekts in Döbling. Wie berichtet, sollte in der Heiligenstädter Straße 172c der „Volkshilfe Hafen“, ein fünfstöckiges Haus für Senioren, Frauen in schwierigen Lebenssituationen und Dienstwohnungen für dringend benötigte Pflegekräfte, entstehen. Das geplante Volkshilfe-Haus neben dem leerstehenden Nussdorfer Bahnhof sah auch betreute Jugendlichen-Wohngemeinschaften sowie einen Veranstaltungsraum für die Döblinger Bevölkerung vor. Nach einer Genehmigung durch die Stadt haben nun jedoch die VP- und FP-Ver­treter im Bau­ausschuss des Bezirks das Projekt mit sieben zu sechs Stimmen abge­lehnt. Grund: eine gering­fügige – aber genehmigungsfähige – Überschreitung der Bauhöhe von 1,53 Meter.

SP-Bezirksvize Thomas Mader, selbst Volkshilfe-Obmann in Döbling, legte daraufhin den Stellvertreter-Vorsitz im Bauausschuss nieder: „Das Abstimmungsverhalten ist abso­lut willkürlich. Diese unse­riöse Vorgehensweise, die rein parteipolitisch und völlig unsachlich ist, möchte ich nicht mittragen.“

„Die Ablehnung der Ausnahmegenehmigung ist eine für Döbling wichtige Entscheidung“, meint dazu FP-Klubobmann Klemens Resch. Er hatte bereits 2019 aufgedeckt, dass das geplante Projekt über eine komplexe Vertragskon­struktion langfristig der Volkshilfe „zugeschanzt“ werden sollte. Nun konnte laut Resch zumindest verhindert werden, dass die gesetzlich erlaubte Bauhöhe überschritten wird. Resch: „Ortsbildfeindliche Projekte dieser Art gefährden, wenn sie umgesetzt werden, den Charakter von Döbling und verschandeln den Bezirk.“ Resch warnt übrigens davor, dass die rot-grüne Stadtregierung über „vermeintlich karitative Projekte“ Flüchtlinge, Drogensüchtige und sozia­le Problemfälle gezielt in Bezirke verlagern möchte, in denen die SPÖ keine Mehrheit hat.

Die Volkshilfe gibt freilich nicht auf: Das im Bezirk abge­lehnte Projekt geht nun den gerichtlichen Instanzenweg zum Verwaltungsgericht.