Donaustadt: 50 Fische in einem Becken

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Ich stehe auf der Donauinsel vor einem kleinen Wasserbecken, in dem Störe schwimmen. Thomas Friedrich gibt mir einen davon in die Hand: Er ist ­glitschig und windet sich.
 Friedrich, der an der Univer­sität für Bodenkultur arbeitet, leitet ein Zuchtprojekt für Sterlete, die kleinste Störart und die einzige, die in Österreich noch vorkommt. Das Projekt wird von der Europä­ischen Union gefördert und läuft bis 2021. „Unsere Störe wachsen in dem Becken auf und werden im Frühjahr ausgewildert“, sagt Friedrich. Wenn das Projekt verlängert wird, will er eine Genbank für Störe einrichten. Im österreichischen Teil der Donau leben bis zu 200 erwachsene Störe. Eigentlich kann man sie als lebendes Fossil bezeichnen: Sie gibt es seit 200 Millionen Jahren. Um die heimische Population zu vermehren, setzen Friedrich und sein Team pro Jahr rund 70.000 junge Sterlete in der Donau aus. 
Störe sind wegen des Kaviars, den die Weibchen produzieren, sehr begehrte Fische. Auf ihrer Wanderung vom Schwarzen Meer donauaufwärts werden daher viele von ihnen gefangen, bevor sie in den österrei­chischen Teil der Donau kommen. 
„Für einen Stör bekommt ein Fischer etwa 16.000 Euro“, erzählt Jutta Jahrl von der Umweltschutzorganisation WWF. Sie arbeitet eng mit Thomas Friedrich zusammen. Jahrl kümmert sich darum, dass in Serbien, ­Bulgarien, Rumänien und in der Ukraine weniger Störe ­unerlaubt gefischt werden. Für mich ist es Zeit zu gehen. Ich werfe noch einen letzten Blick ins Becken und sehe „meinen“ Stör, wie er munter planscht.