Finanzbildung für Wiens Schüler

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Der leid- und lateingeprüfte Schüler weiß „Non vitae sed scholae discimus“ – „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“. Mit dem Eintritt in die finanzielle (Teil-)Selbstständigkeit beginnt der wahre Ernst des Lebens. Statt binomischer Formeln, Unschärferelationen und Ausnahmeregeln des Ablativus Absolutus finden sich junge Erwachsene beim Wälzen von undurchsichtigen Miet- und Handyverträgen und Kostenkalkulationen für den täglichen Bedarf wieder.

Stolperfallen in der Finanzwelt

Aber auch Haushalten und Geld ausgeben will gelernt sein. „Versteckte Kosten, undurchsichtige Verträge oder lange Bindungen – aus unseren Beratungen wissen wir, wo der Schuh drückt und wo es Stolperfallen gibt. Deshalb ist es uns als Arbeiterkammer ein großes Anliegen bereits bei den Schülerinnen und Schülern anzusetzen damit sie besser über die Finanzwelt Bescheid wissen und gleichzeitig auch ihre Rechte bei Finanzgeschäften kennen“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien.

Mit dem Finanzführerschein, dessen Pilotphase jetzt abgeschlossen ist, möchte die Wiener Bildungsdirektion gemeinsam mit der Schuldnerberatung Wien und der Arbeiterkammer Wien Schülerinnen und Schülern das notwendige Rüstzeug für die Bewältigung der eigenen Finanzen mitgeben. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schuldnerberatung kennen die Fallstricke und Folgen, wenn jemand seine Finanzen nicht im Griff hat“, so Christian Neumayer, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Wien, ein Tochterunternehmen des Fonds Soziales Wien.

Finanzbildung mit dem Finanzführerschein

Seit dem Frühjahr 2021 können Schülerinnen und Schüler den Finanzführerschein erwerben. In der ersten Phase der Finanzbildung nahmen rund 700 Schüler das kostenlose Angebot wahr. Im derzeit laufenden Semester nehmen rund 600 Schülerinnen und Schüler an der Schulung teil. Gudrun Steinmann, Leiterin der Finanzbildung in der Schuldnerberatung Wien, über den Erfolg der Pilotphase: „Es geht um Basiswissen: „Was kostet ein Konto und eine Bankomatkarte? was bedeutet ein überzogener Kontorahmen? Gibt es wirklich das neueste Handy um 1 Euro? Wie finanziere ich meine erste eigene Wohnung? Die Pilotphase hat gezeigt: das Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesem Thema ist enorm.“

In 5 Modulen zu je 2 Unterrichtseinheiten erlernen die Teilnehmer Kompetenzen im Umgang mit Geld. Dazu führen Mitarbeiter der Schuldnerberatung Wien durch 3 Module, 2 Module werden via E-Learning im Unterricht durchgenommen.

Starthilfe in die finanzielle Eigenständigkeit

Am Ende bekommen die Schülerinnen und Schüler ihr Zertifikat überreicht. Bereits nächstes Jahr soll der 2.000ste Finanzführerschein überreicht werden. Das kostenlose Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Schulen und Berufsschulen. Da sie unmittelbar vor dem Start in die finanzielle Eigenständigkeit stehen.

Bildungsdirektor Heinrich Himmer betont: „Mit dem Finanzführerschein erreichen wir Schülerinnen und Schüler, die in einer entscheidenden Lebensphase sind: der erste Job, der Auszug von zu Hause oder die ersten größeren Ausgaben für ein Auto oder für die erste Einrichtung stehen an.“