Floridsdorf: Der Bezirk ist 115 Jahre jung

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Es war zum Jahresende 1904, als Kaiser Franz Joseph I. der Eingemeindung Floridsdorfs in die Reichshauptstadt Wien zustimmte. Die Veröffentlichung des entsprechenden Gesetzes erfolgte erst nach den Feiertagen am 10. Jänner 1905. Die meisten Ortschaften des heutigen 21. Bezirks stammen aus dem 11. und 12. Jahr­hundert. 
Floridsdorf war ursprünglich der Name einer Siedlung, die 1786 entstanden war. Die ersten Bewohner des neuen „Floridusdorfs“ waren Handwerker, Bauern und der Wirt des Gasthauses „Zum Goldenen Engel“, das am Spitz an der Stelle des heutigen Amtshauses stand. Gemeinsam mit Donaufeld, Jedlesee und Neu-Jedlersdorf entstand 1894 die Großgemeinde Floridsdorf. Sie entwickelte sich bald zu einem Industriezen­trum der Monarchie. Bis 1900 war die Einwohnerzahl auf mehr als 36.000 angewachsen, 1903 wurde das Floridsdorfer Rathaus, das heutige Bezirks­amt, fertiggestellt und am 12. November 1904 beschloss der nieder­österreichische Landtag die Eingemeindung nach Wien. Und ab Jänner 1905 waren die Floridsdorfer Wiener! 
Donaufeld
Das Gebiet des späteren Donau­feld gehörte ursprünglich zur Gemeinde Leopoldau. Gegründet wurde ­Do­naufeld, indem der ­Floridsdorfer Milchmeier Josef Wernhart Äcker in der Ried „Alte Kraut­gärten“ kaufte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Fabriken und Wohnhäuser errichtet. 
Als erste Straßen wurden 
die Leopoldauer Straße, 
die ­Angerer Straße und 
die heutige Patri­zigasse angelegt. Mit dem Landesgesetz vom 8. Mai 1894 wurde ­Donaufeld mit den Gebieten Floridsdorf, Jedlesee und Neu-Jedlersdorf zur „Großgemeinde Floridsdorf“ ver­einigt und 1905 in den neu gegründeten 21. Bezirk ­ein­bezogen.
 Dies ist der älteste Bezirksteil Floridsdorfs: Archäologische Funde beweisen, dass die Leopoldau schon zur Jungsteinzeit besiedelt war. Der Name ist keltischen Ursprungs. „­Alpiltowe“ (tow = Au) weist darauf hin, dass das Gebiet einst von vielen Donauarmen durchzogen war. Einer dieser Flussarme verlief längs der heutigen Siemensstraße und Eipeldauer Straße bis in die Nähe des Kagraner Platzes. Ab 1439 gab es eine Donaubrücke, die es ermöglichte, landwirtschaftliche Produkte direkt auf die Wiener Märkte zu bringen. Durch Gänse- und Pferdezucht wurde die Leopoldau auch über­regional bekannt. 
1831 wurde die Ortschaft zur Marktgemeinde erhoben und zwei neue Ortschaften entwickelten sich: Neu-Leopoldau und Mühlschüttel, die später den Bezirksteil ­Donaufeld bildeten. Als 1904 die Zusammenlegung Floridsdorfs mit Wien beschlossen wurde, wehrten sich die Leopoldauer am heftigsten. Der ­damalige Bürgermeister 
Dr. Karl Lueger musste mehrmals persönlich nach Transdanubien reisen und erst nach Zugeständnissen stimmten die ­Leopoldauer der Vereinigung zu. 

Der Name ­Jedlesee wurde als „Outcinessevve“ bereits im Jahre 1014 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Bistums Passau ­erwähnt. Der Name ­änderte sich im Laufe der Zeit zu „Utzinsee“ und bedeutete so viel wie „See des Ulrich“. Die Ortschaft entstand an einem Seitenarm der Donau, am Südwestende des Marchfeldes. Die sogenannte „Schwarze Lacke“ – sie ist heute noch als Wiesenstreifen neben der Kirche erkennbar, führte westlich am Ort vorbei und bei Hochwasser verwandelte sie sich in einen reißenden Fluss. Bei den heftigen Überschwemmungen, die erst durch die Donauregulierung (1870–75) beendet wurden, verloren die Bewohner Hab und Gut. Für großen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte erst wieder die Eröffnung 
der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, der spä­teren Nordwestbahn (1872). 
Groß-Jedlersdorf ist so groß, dass in den Geschichtsbüchern zwischen Jedlersdorf I (Groß-Jedlersdorf) und Jedlersdorf II (Neu-­Jedlersdorf) unter­schieden wird. Jedlersdorf ist quasi auf einer 
Insel entstanden, die von ­Seitenarmen der Donau ­gebildet wurde. 1529 musste Jedlersdorf nach Zerstörungen durch die erste Türken­bela­gerung neu aufgebaut werden. Es wurde eine eigene Pfarre errichtet, später auch eine Schule. Im Jahr 1683 wurde der Ort neuerlich von den einfallenden Türken heimgesucht. Wenig später hatten die Jedlersdorfer mit der nächsten schlimmen Kata­strophe zu kämpfen. Eine Pestepidemie, die 1713/14 wütete, raffte die ­Bevölkerung dahin. Nur ein paar Dutzend Einwohner überlebten. Aus Dankbarkeit ließen sie eine Holzkapelle ­errichten, die ­allerdings bei einem Brand zerstört wurde. Zu tiefgreifenden Veränderungen kam es 1782, als das Frauenkloster aufgelöst wurde. Die Weidegründe ­zwischen Prager Straße und Brünner Straße wurden 
neu parzelliert und verkauft. Die neue Siedlung, die 
dabei ­entstand, wurde „­Neu-­Jedlersdorf“ bzw. „Klein-­Jedlersdorf“ genannt. 

Stammersdorf
Bereits im Jahr 1355 wird in einem Schreiben von Herzog Albert eine „Urfahr zu ­Stemesdorf“ erwähnt. Neben kriegerischen Auseinandersetzungen hatte Stammersdorf im Laufe seiner ­Geschichte mit Seuchen und Krankheiten zu kämpfen: Pest, Pocken oder Cholera forderten ihre Opfer. Immensen Schaden richtete im Jahr 1850 ein verheerender Brand an – ab 1877 hatten die Stammersdorfer aber bereits eine eigene freiwillige Feuerwehr im Ort. 1886 fuhr die erste Dampftramway bis nach Stammersdorf. Das 20. Jahrhundert brachte viele Neuerungen. Ab 1912 wurde die Tramway elektrisch angetrieben, 1928 wurde der Ort zur Marktgemeinde erhoben und die Straßen bekamen Namen. Erst seit 1938 ist Stammersdorf Teil des 21. Bezirks und somit der jüngste Bezirksteil Floridsdorfs.

 „Strobersdorf“ lautete der 
ursprüngliche Name des Ortes. Er könnte sich von den „Strobern“ ableiten, also jenen Männern, die mit Stroh handelten und Strohmatten erzeugten. Der Ortskern befand sich bis zum 15. Jahrhundert dort, wo heute die Scheydgasse verläuft. Wie viele Gegenden an der Donau war auch Strebersdorf Schauplatz kriegerischer Ausein­andersetzungen: 1529 fielen die Türken in Strebersdorf ein, 1645 wurde gegen die Schweden gekämpft. Strebersdorf war seit jeher ein Ort, an dem die Menschen vorwiegend von der Landwirtschaft lebten – hier spe­ziell vom Weinbau. Das Recht des Weinausschanks besitzen die Strebersdorfer seit dem Jahr 1753. 
1912 fuhr bereits eine elek­trische Straßenbahn bis nach Strebersdorf und ein Jahr später wurde der Ort an die zweite Hochquellenleitung angeschlossen. 

Heute ist der 21. Bezirk ein moderner Stadtteil. Hier leben 165.000 Menschen – damit ist Floridsdorf in puncto Bevölkerung der drittgrößte Bezirk Wiens, nach der Fläche gerechnet der zweitgrößte hinter der Donaustadt. Hier haben Firmen von Weltgeltung ihren Sitz: etwa das Pharmaunternehmen Pfizer oder der Technologieriese Siemens. 
Bezirksvorsteher Georg Papai stellt jährlich „21 Projekte für den 21.“ vor. Diese umfassen die Bereiche Verkehr und Umweltschutz ebenso wie ­Sicherheit und Soziales.
Nach 115 Jahren des Bestehens ist Floridsdorf ein Bezirk mit sehr guter Infrastruktur und – nicht zuletzt dank seines hohen Grünanteils – mit hoher Lebensqualität.