Floridsdorf: Unterwegs mit der Kamera

Er hat noch die „gol­denen Zeiten“ erlebt. Leute seiner Branche konnten in den 60er Jahren und darüber hinaus sieben Tage die Woche arbeiten, wenn sie wollten. Und Leopold Vodicka wollte. Seine Lehre begann er mit 14 Jahren. Danach ging es in vollem Tempo los: Von der privaten Hochzeit über das Fußballmatch bis zum Besuch des Bundespräsidenten auf der Wiener Messe stand alles, was abgelichtet werden sollte und wollte, auf seinem Programm. 
1971 hatte Vodicka Am Spitz sein eigenes Fotostudio eröffnet, das erst vor kurzem in die Stryeckgasse übersiedelte. 
Neben den üblichen Serviceleistungen eines Fotografen werden hier beispielsweise angeboten: Bilder in historischen Kostümen, künstlerische Aktfotografie, aber auch das Überspielen sämtlicher Dias und Fotos, alter Video-Kassetten und Filme wie 8 und Super 8 auf DVD.

Vodicka ist ein Überzeugungstäter: „Wenn ich nicht fotografieren kann, bin ich unglücklich“, gesteht er. Seit sein Gewerbe 2013 freigegeben wurde, sei das Geschäft allerdings mühsam geworden. Seither gebe es viele „Scharlatane“ in seiner Branche, die weit unter den früher üblichen Tarifen mindere Qualität anbieten würden. „Viele Leute gehen nicht mehr zum Meister, sondern zum Pfuscher“, sagt Vodicka. 
Die Liste der Ehrungen und Preise des Herrn Professor ist lang. Sie reicht vom Goldenen Ehrenzeichen der Republik und der Stadt Wien bis zum Gewinn des Osaka Grand Prix. 

Neugierig
Trotzdem kann sich der 70-Jährige auch heute noch für seinen Beruf begeistern: „Ich lerne bei jeder Reportage etwas dazu.“ Etwas Schöneres kann einem neugierigen Menschen wohl nicht passieren.

Hans-Paul Nosko