Innere Stadt: Mit der MS Skorpion zu den Schätzen des Wasserwaldes

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Wir legen mit Verspätung ab: Eine Urlauber­gruppe hat die Salztorbrücke nicht sofort ­gefunden. „Die Abfahrtszeit sollten wir möglichst genau einhalten“, sagt Erich Böhm, Steuermann auf der MS Skorpion. Wieso der Fahrplan so heikel ist, bekommen wir erst ein paar Stunden später mit. Zunächst schippern wir mit unserem 15 Meter langen und 3,2 Meter breiten Schiff gemütlich den Donaukanal flussabwärts.

Vorbei geht es an den zahl­reichen Lokalen und den Graffiti-verzierten Mauern, die die Kais säumen. 
Wir passieren das Gaswerk Simmering und die unzähligen Häuschen mit ihren Hebenetzen und langen nach einer Stunde Fahrt am Praterspitz an, wo der Donaukanal in die Donau einmündet. Kurz darauf wendet unser Steuermann und wir haben den Landeplatz im Ölhafen Lobau erreicht.
 Dort übernimmt Nationalpark-Ranger Franz Fritsch unsere Gruppe. Er gibt uns zunächst einen Überblick über Daten und Fakten zum Nationalpark Donau-Auen und führt uns anschließend eine Stunde lang durch den sogenannten Wasserwald. 

Wildschweine
Hier leben Wildschweine und Biber, Hirsche und Rehe, Eisvögel und Schmetterlinge. Das Wild lässt sich nicht blicken, von den Bibern sehen wir zumindest Spuren: ein kräftig angenagter Baumstamm am Ufer des Donau-Oder-Kanals, in dem sich eine Schar Karpfen tummelt. Auf einem Wiesenstück entdecken wir einen prächtigen Kaisermantel, müssen aber bereits wieder zurück zum Boot.
Die Rückfahrt dauert, da flussaufwärts, doppelt so lange. Auf der Höhe der U3-Station Erdberg kommt uns der neue Twin City Liner entgegen. Jetzt heißt es für Erich Böhm aufpassen, damit beide Schiffe gut aneinander vorbeikommen. 
Genau hierfür war es wichtig, einigermaßen pünktlich abzufahren: Findet die Begegnung an einem engeren Stück des Donaukanals statt, so ist für ihn das Ausweichen wesentlich schwieriger. Kurz nach ein Uhr ist unsere Reise zu Ende und wir verlassen die Skorpion wohlbehalten bei der Salztorbrücke.

Hans-Paul Nosko