Bislang galt das beschauliche Enns in Oberösterreich als Stadt mit der ältesten Urkunde. Das könnte sich durch den aufmerksamen Fund eines jungen Historikers nun ändern.

Es war ein ganz besonderes Privileg, dass die römischen Kaiser nur besonderen Orten mit herausragender Bedeutung verliehen: das Stadtrecht. Bis Anfang März konnte trotz Vermutungen von Geschichtsforschern nicht bewiesen werden, dass Vindobona, der Vorgänger des modernen Wien, je dieses Stadtrecht bekam. Dieses verlieh erst im Mittelalter Herzog Leopold VI, nachdem er es neun Jahre zuvor Enns verliehen hatte, ein Jahr später folgte Eferding (beide Oberösterreich).

Bei dieser Information würden wir auch heute stehen, gäbe es da nicht den Historiker und Gymnasiumslehrer Niklas Rafetseder. Der erst 28-Jährige hatte im Rahmen seiner Doktorarbeit ein Objekt untersucht, welches 1913 am Hof (1. Bezirk) gefunden wurde und seitdem im Depot des Wien Museums schlum- merte. Aus diesem geht her- vor, dass Vindobona bereits zwischen 125 und 250 n. Chr. zur Stadt erklärt wurde. Und damit nicht nur die größte, sondern auch die älteste Stadt Österreichs ist. „Die Forschungen zum römischen Wien bauen auf wissenschaftlichen Arbeiten zahlreicher Persönlichkeiten auf. Seit über 100 Jahren wurde in Wissenschaftskreisen das Stadtrecht Vindobonas vermutet, nun konnte endlich der Beweis erbracht werden“, freut sich die Kuratorin des Wien Museums Michaela Kronberger.