Leopoldstadt: Ein gruseliger Ausflug

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In Zeiten wie diesen geben Geschichten Halt und Inspiration. Wir drucken regelmäßig ausgewählte Storys von „23malWien“ ab.

„Stromausfall im Horrorhaus“ – Autorin: Petronella

Wir stehen vor dem „Jack the Ripper“-Haus im Wiener ­Prater. Es sollte eigentlich
ein lustiger Abend mit meinen Arbeitskollegen werden und ich bin für allerlei Hochschaubahnen und Gokart-Wettrennen zu begeistern, Gruselhäuser gehören allerdings nicht dazu. Da wir aber ohnehin als Gruppe gemeinsam durch das Haus gehen, lasse ich mich überreden.
Es ist nicht so furchterregend wie gedacht, denn es werden lediglich unterschiedliche Horrorszenen hinter Schaufenstern gezeigt. Viel mehr ­erschrecken mich meine ­Kollegen, die vorausrennen, um dann hinter einer Ecke ­hervorzuspringen.
Wir blödeln herum, die Burschen rennen wieder voraus, als ich plötzlich ganz alleine bin. „Es werden sich alle ­irgendwo versteckt haben“, versuche ich mich zu beru­higen. Flotten Schrittes hetze ich ihnen hinterher. Die Schaufenster links und rechts ignoriere ich mittlerweile, denn mein Fokus liegt darauf, meine Kollegen einzuholen.
Plötzlich steht ein fremder Mann vor mir. Er schaut grimmig drein und meint nur kurz und knapp: „In den Lift.“ Ich steige in den Lift ein. Dieser setzt sich in Bewegung und beginnt kurze Zeit später zu ruckeln, stoppt und fährt dann langsamer weiter nach unten. Das Licht beginnt zu flackern und fällt dann komplett aus. Leichte Panik steigt in mir hoch. ­Verdammt, worauf hab ich mich hier eingelassen?
Die Lifttür öffnet sich, ich steige aus und ­befinde mich in einem komplett dunklen Raum. Nichts ist zu sehen. Ich gehe ein Stück und entdecke schließlich weiter hinten einen Lichtkegel. Ich folge diesem und finde ein nach­gestelltes Klassenzimmer, in dem der Lehrer erhängt von der Decke baumelt. Weiter nichts. Ich kann nicht weiter, denn der Raum endet hier.
Also wieder retour in den leeren, stockdunklen Raum. Ich bin nervös, ob und wie ich hier wieder rauskomme. Ich beginne, die Wände abzutasten, als aus dem Nichts plötzlich eine Stimme zu hören
ist: „Hallo, hier ist Jack the ­Ripper.“
Jetzt habe ich wirklich Angst und beginne hektisch gegen die Wand zu klopfen, um ­irgendwo einen Ausweg zu finden. Noch nie war ich so angsterfüllt. Ich schreie, dass ich hier rauswolle, und zwar ­sofort.
Irgendwann bekomme ich an der Wand eine Türklinke zu fassen. Ich versuche, mich ­darauf vorzubereiten, dass es dahinter nicht minder gruselig sein wird. Ich atme tief durch und öffne die Tür. ­Dahinter verbirgt sich das Technikzimmer mit den Überwachungskameras. Die Burschen schauen mich an und biegen sich vor Lachen.
Ich gebe ihnen zu verstehen, dass ich nicht mehr so entspannt bin und so schnell wie möglich raus aus diesem Haus möchte. Sie deuten auf die gegenüberliegende Tür und ich stehe wieder in einem dunklen Gang. Sie erklären mir, dass ich nur mehr rechts um die Ecke müsse, um zum Ausgang zu kommen. Tatsächlich war ich noch nie so froh, wieder unter Menschen zu sein.
Ich habe mein Trauma mittlerweile überwunden, indem ich in Begleitung noch einmal durch dieses Horrorhaus gegangen bin. Nun kenne ich auch den regulären Weg für Menschen, die nicht alleine im Haus unterwegs sind.

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Hunderte Autoren haben bereits mitgemacht. Aufgrund des großen Andrangs wurde der große Geschichtenwettbewerb bis Ende Juli verlängert.
Unter: www.story.one/23malWien kann man mitmachen. Die besten Geschichten werden als Buch gedruckt.