Mehr Brigittenau geht nicht

Sie ist derartig mit der Brigittenau verwachsen, dass man trotz ihrer jugendlichen 48 Jahre getrost sagen kann: Susi Trautenberg ist eine Ureinwohnerin des 20. Bezirks. „Ich lebe hier seit meiner Geburt“, erzählt die Sportlerin. Ihre Familie ist seit langem in der Brigittenau verwurzelt: „Meine Eltern, meine Großeltern und meine Urgroß­eltern sind im Bezirk auf­gewachsen.“ 
Hier wohnt sie, hier arbeitet sie, und hier ist ihr Sportverein zu Hause: Der WAT Brigittenau, wo sie als Vorturnerin die Jüngsten mit Aerobic in Atem hält. 
„Wir sind eine große Familie“, sagt die Sportlerin. Die Mitglieder kennen einander von klein auf, hier wurden Freundschaften fürs Leben geknüpft, auch etliche Ehen geschlossen.

Vorbildlich

Bereits Susis Großeltern waren Mitglieder im WAT Brigittenau. „Meine Eltern haben hier miteinander Tennis gespielt, wir Kinder sind im geschützten Bereich herumgetollt.“ 
Der Zusammenhalt innerhalb des Vereins ist vorbildlich. „Als eine Frau wegen eines Unfalls für längere Zeit ins Spital musste, haben wir jeden Tag für die Kinder vorgekocht, weil ihr Mann sonst nicht zurechtgekommen wäre.“ Sie selbst sagt, sie kenne unter ihren Sportlerfreunden „30 Leute, die ich um drei Uhr früh anrufen kann, wenn es mir nicht gut geht.“
Die Mitglieder geben unter­einander weiter, was andere brauchen: „Zuerst habe ich die Sportgeräte meiner Tochter verschenkt, jetzt bekomme ich welche für meinen Sohn.“

Floridsdorf

Aus der Brigittenau wegzuziehen kommt für Susi nicht infrage. „Außer ich erbe etwas in Floridsdorf, von wo es auch nicht weit ins Grüne ist.“

Hans-Paul Nosko