Wie sich doch die Zeiten ­ändern. Früher brauchte man für ein Interview mit heimischen Spitzenboxern einen „Übersetzer“. Heute sieht man sich ­freundlichen, höf­lichen und ­cleveren jungen Menschen gegenüber, wenn man die Türe zum Bounce-Boxklub in der ­Enenkelstraße 26 öffnet. Keine Spur von Rocky mehr. Kein „Philadelphia-Feeling“, wo die Ratten zwischen den Langhanteln herumzischen. „Wir haben kein Hinterhof-Image mehr“, lächelt Profi-Boxer und Aushängeschild Marcos Nader (29) beim WIENER BEZIRKSBLATT-­Lokalaugenschein. „Es ist uns wichtig, unseren Sport gut und sauber zu präsentieren, damit uns Partner und Sponsoren auch vertrauen können.“ Uns – das sind er und sein Bruder Daniel, die treibende Kraft im Hintergrund. Der Mann, der den Bruder ebenso trainiert wie das halbe Box-Nationalteam, der einzige Drei-Sterne-Trainer des internationalen Boxverbandes in Österreich. „Er ist ein absoluter Spitzenmann“, sagt Marcos über den Älteren, „der auch andere Bounce-Boxer hinaufbringt.“ Der Champ selbst trainiert gerne die ­Jugendlichen im Amateur­bereich: „Das ist mir sehr wichtig. Ich will aber nie ­Spitzensportler coachen, das soll der Daniel machen.“ Bounce, die „Fitnesszone“, die mit 1.000 Mitgliedern förmlich explodiert, ist seit Jahren ihr Lebensinhalt. Begonnen hat alles 2005. „Früher war in dem Gebäude eine Fleischerei, und Daniel hat mit 400 Quadratmetern an­gefangen“, erzählt der Profi. Heute sind es fünfmal so viel auf mehreren Stockwerken, mit fünf Boxsälen, Fitnessräumen, Sauna, Lounge und Adidas-Pro-Shop. „Am Anfang war es schon ein Risiko. Aber jetzt sind wir gefestigt und haben ein gutes Standing!“ Wobei der soziale Aspekt ganz wichtig ist. „Wir wollen die Jugendlichen beschäftigen, wollen sie weg von der Straße bringen. Hier treffen 30 Na­tionen aufeinander, die eines ­vereint: der gemeinsame Sport“, sagt der „Otta­kringer mit Leib und Seele“, der am Wilhel­minenberg lebt. Ge­boren in Ibiza, fühlt er sich im Bezirk richtig wohl und ist manchmal bei einem Lauferl auf den Stein­hofgründen zu treffen. Wenn er es entspannt angeht … denn eines wird Marcos begleiten, so lange er boxt: 
„Der Traum vom ­WM-Gürtel.“ Was 
ihn doch wieder mit Rocky verbindet.