Ottakringer Brauerei ist älter als Ottakring

(C) Ottakringer Brauerei: 1837 wurde die Brauerei aus der Taufe gehoben, zu Beginn war die Entwicklung turbulent.
(C) Ottakringer Brauerei: 1837 wurde die Brauerei aus der Taufe gehoben, zu Beginn war die Entwicklung turbulent.

Vor 185 Jahren wurde die Brauerei aus der Taufe gehoben und ist damit 55 Jahre älter als der Bezirk. Die Ottakringer Brauerei war nicht sofort eine große Nummer, sondern wuchs langsam – aber stetig. 1837 gilt als das Gründungsjahr. Müllermeister Heinrich Plank eröffnete den Betrieb als „Planksche Brauerei“, nachdem das Stift Klosterneuburg 1837 die Braubewilligung erteilt hatte.

Einen Schub gab es ab 1850 mit der Übernahme durch Ignaz und Jakob Kuffner, die den Betrieb zu einer Großbrauerei ausbauten. Innerhalb von zehn Jahren steigerten sie den Ausstoß von 18.318 auf 64.183 Hektoliter.

Schwierige Kriegsphase

(C) Ottakringer Brauerei: Einst wurden Bierfässer mit zwei Pferdestärken gezogen.

In der gleichen Tonart ging es weiter, nachdem Moriz von Kuffner die Brauereianteile 1882 geerbt hatte. Der Ausstoß stieg auf 350.000 Hektoliter. 1905 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und zum Konzern. Den 1. Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit überstand das Unternehmen unbeschadet.

Doch dann kam das Jahr 1938. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste der damals 85-jährige Moriz Kuffner die Brauerei veräußern. Sie wurde nach heutigem Wert um 36 Millionen Euro an Gustav Harmer, einen Spirituosenfabrikanten, verkauft. Der neue Eigentümer wiederum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls für zwei Jahre aus dem Betrieb vertrieben, da die sowjetische Besatzungsmacht die Brauerei provisorisch verwaltete. Ehe Familie Harmer den rechtmäßigen Besitz beweisen und die Erben Kuffners letztendlich großzügig und fair abfinden konnte.

Rot-Weiss-Roter Betrieb

(C) Schedl: 2012 wird die Brauerei modernisiert, der Vorplatz umgebaut.

Dann ging’s beständig bergauf, der Bierausstoß wurde bis 1962 auf 236.000 Hektoliter gesteigert. In diesem Jahr traten Gustav Harmer junior und sein Schwager Engelbert Wenckheim in die Firma ein und übernahmen schrittweise. Die Familie Wenckheim, heute durch Tochter Christiane vertreten, ist nach wie vor Miteigentümerin der Holding – und hat Ottakringer als fixe Größe verankert. Derzeit hält man bei 180 Mitarbeitern und braut 427.000 Hektoliter pro Jahr. Seit 2009 hat die 16er-Institution wieder eine rot-weißrote Eigentümer-Mehrheit.