Analyse: Plump in die Falle getappt

Mein Tipp ging nicht auf: Statt wie prophezeit Roland Schmid wurde Martin Bruckner Rapid-Präsident – was wohl weniger an der Brillanz des Siegers, sondern viel mehr an der desaströsen Vorstellung des späteren Verlierers in der tags zuvor ausgestrahlten ORF-Diskussion lag! Dabei war der rhetorisch katastrophale Selfmade-Millionär plump in die Falle getappt und hatte sich vom auch nicht gerade glänzenden Kontrahenten zwei Gewichte umhängen lassen, die ihn nach unten zogen: Seine Kritik an der alten Vereinsführung käme Nestbeschmutzung gleich und er wäre jederzeit bereit, die Seele des Klubs an Investoren zu verkaufen. Das ist ungefähr so, als würde man politisch Grünen vorwerfen, Elektroautos auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Blasphemie also – denn Rapid ist bekanntlich eine Religion.

Mit diesem Trick krönte sich Bruckner schließlich zum „Papst“ in Hütteldorf!

Viel bedeutsamer als die Wahl ist aber das Schicksal von Andy Marek: Er, der dem Rekordmeister in den letzten Jahrzehnten eine Stimme verliehen hat, legte alle seine Ämter aufgrund einer schweren Krankheit zurück. Der Stadionsprecher war wegen seiner Nähe zu den Ultras auch oft kritisiert worden – aber so ist es eben auch im Fußball: Liebe macht blind. Man sieht die Falten und Fehler des Gegenübers, der einem ans Herz gewachsen ist, nicht.

Möge Andy aus dieser Leidenschaft heraus auch die Kraft für seine Genesung schöpfen.