Privat-Theater: Zusammenschluss für den Erhalt

Georg Hoanzl, Andreas Fuderer, Erich Schindlecker, Heike Schwarzl, Doris Ringseis, Michael Niavarani, Martin Reiter (v.l.n.r.)

Es ist ein unüblicher Rückenschluss den man in diesen Tagen von den Betreibern der Wiener Privat-Theater sieht. Denn in der Regel stehen sie mit ihrem Programm in direkter Konkurrenz zu einander. Doch die Auswirkungen der Corona-Krise auf das öffentliche Leben im Allgemeinen und den Kulturbetrieb im Speziellen sorgen dieser Tage immer wieder für außergewöhnliche Aktionen.

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Privattheater sind Wiener Spezifikum

Den während es für geförderte Kulturbetrieb in Bezug auf die Laufenden kosten Klarheit von der Politik gibt, sind die Privattheater ein Wiener Spezifikum. Das „Globe“ im dritten Bezirk, das „Simpl“ und „Casanova“ im ersten, das „Orpheum“ im 22., der „Stadtsaal“ in Mariahilf, das Kabarett Niedermair in der Josefstadt und die „Kulisse“ in Hernals sowie das neu gegründete Theater im Park erhalten keine staatlichen Subventionen und sind 100-prozentig eigenfinanziert. Der Erfolg beim Publikum gibt ihnen Recht, knapp 600.000 Besucher im Jahr kommen insgesamt zu den Vorstellungen dieser Häuser.

Kulturproduktionen unter besonderen Bedingungen

Anders als ähnliche Institutionen in den Bundesländern, die auch einen Programm-Mix aus Kabarett, Comedy, Revues, Lesungen und Musik bringen, die aber in die staatlichen Förderungs-Schema fallen, gibt es noch kein Konzept wie mit den eingeschränkten Auflagen der Regelbetrieb finanziert werden soll. „Ich kann nicht sagen, dass an einem Abend nur die Hälfte der Belegschaft arbeitet, das ist bei einer künstlerischen Produktion nicht möglich“, erzählt Georg Hoanzl, der gemeinsam mit Michael Niavarani das Globe, das Simpl und das Theater im Park beim Belvedere betreibt. Gerade durch die Corona-Auflagen sei der Personalaufwand eher höher als niedriger geworden, sollen diese doch ordentlich durchgeführt werden.

Wichtiges Kulturgut zu günstigen Preisen

„Wir brauchen eine Versicherung der Politik, ein Commitment, dass es die Privat-Theater und ihr Angebot auch künftig in Wien geben soll“, so Kabarettist und Theaterdirektor Michael Niavarani. Eine Art Sockelfinanzierung für die Dauer der Krise und damit verbundenen möglichen Schließungen und Begrenzungen der Zuschauerzahlen. Als Kultureinrichtung für ein breites Publikum bei zu günstigen Preisen. Diese Forderung wird jetzt an die Politik auf Landes- und Bundesebene herangetragen, erste Gespräche laufen bereits.