Vom Nordwestbahnhof ins Königreich Saudi-Arabien

Wer eine Zeit lang das Gelände des Nordwestbahnhofs durchstreift, trifft über kurz oder lang auf futu­ristisch anmutende blaue und rote Züge. In manchen Waggons wird an der Elek­trik geschraubt. Der Kontrast zum langsam vor sich hin welkenden Bahnhofsgelände könnte drastischer nicht sein.

Metro für Riad

Ein Rundruf unter den „­üblichen Verdächtigen“ ergab: Die Züge stammen aus Simmering. „Ja, das sind unsere U-Bahn-Züge“, heißt es von Siemens. Die Züge sind Teil eines einzigartigen Projekts: Riad, die Hauptstadt Saudiarabiens, erhält eine Metro. Die 6,5-Millionen-Metropole mitten in der Wüste soll bis 2030 auf 8,3 Millionen Einwohner wachsen und ­benötigt eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur. Den Zuschlag hierfür erhielten drei internationale Konsortien, die Züge für zwei ­U-Bahn-Linien kommen von Siemens.

Im Detail handelt es sich um 41 Züge mit vier und 26 mit zwei Waggons. Die blauen für die Linie 1, die roten für die Linie 2. Die Züge sind mit allen erdenklichen Finessen ausgestattet. In einer Stadt, in der die Spitzentemperaturen mehr als 40 Grad erreichen und rundum Wüste ist, braucht es zum einen Klimaanlagen, zum anderen spezielle Filter, die den Sand von sensiblen Fahrzeugkomponenten und den Insassen fernhalten. Auf dem Nordwestbahnhof sind die Züge zwischengeparkt, da im Simmeringer Werk schon wieder ein neuer Auftrag abgearbeitet wird. Schlussendlich „in die Wüste geschickt“ werden die blauen und roten Waggons wohl über den Hafen Hamburg oder Rotterdam.

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