Peter Rapp über … seine Liebe zu einem Vogel, der ihm so ähnlich ist. Als Patenonkel hat er sein Herz an diesen anderen Rapp verloren
Bis jetzt ist es mir ­gelungen, dem Thema Corona auszuweichen. Das geht jetzt nicht mehr, weil meine Freunde und Namensträger, die „Waldrappe“, betroffen sind. Besuchen kann man sie in einer Voliere im Schönbrunner Tiergarten. Ich bin ihr „Ehrenpate“. Wer sie sieht, wird sagen, sie sind hässliche, aber schräge Vögel. Das geht in Ordnung, denn so haben sie mein Herz erobert.
Diese Liebe begann schon vor etlichen Jahren (fürchte vor 18 Jahren), als die größte Waldrapp-Voliere der Welt in Waidhofen an der Thaya eröffnet wurde.
Der Waldrapp zählt zu den am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt und ist schon einmal nahezu ausgerottet worden. Etliche Vereine kümmern sich mittlerweile um die Wiederaufzucht ­dieser Spezies.
Nun ist der Rapp ein Zugvogel (ja, ja) und er muss schon als Küken an eine Person gewöhnt werden, die ihm dann, wenn es so weit ist, die Route in einem Leichtflugzeug über die Alpen vorausfliegt. Das wurde ja schon mit anderen Zugvögeln, z. B. den Graugänsen, vorexerziert.
Wegen der Corona-Krise klappte das diesmal nicht, aber, zur Überraschung aller, sind die Vögel alleine losge­flogen und auch im richtigen Gebiet gelandet. Fachleute sagen, dass dieses Wissen mittlerweile im Erbgut ist.
Ich sehe das anders. Wir Rapps mögen ja hässlich sein, aber wir sind nicht ­deppert.
Und wir sind mutig. Wir fliegen auch in Corona-Zeiten auf Urlaub ins Ausland. Dass wir uns bei der Gelegenheit auch fortpflanzen, ist eine angenehme Begleiterscheinung.

Neue „KG“-ler
Was sonst in meinem Leben während der Krise noch meine Aufmerksamkeit erregte: Ein Hobby von mir ist das Erraten der politischen Bezirke anhand von Autokennzeichen. Und mir fiel ein Kennzeichen mit niederöster­reichischem ­Wappen auf: KG.
Wenn Sie auch nicht ­wissen, wo so ein Auto herkommt, ist das keine Schande. Erst seit April können sie mit Stolz und dem neuen ­Kennzeichen fahren: die Klosterneuburger.

Die Bappmwindl
Seit der Auflösung des ­Bezirks „Wien Umgebung“ waren die „Kloburger“ Bürger mit „TU“ unterwegs. Was aber nicht „Technische Universität“, sondern Tulln hieß. Das störte sie schon lange. Also jetzt haben sie ihr eigenes Kennzeichen und wir vom WIENER BEZIRKSBLATT gratulieren. Wir waren ja auch nicht glücklich damit, sie aus unserer Wiener Umgebung an Tulln ­verloren zu haben.
Oh! Was ich nicht vergessen darf, zu berichten: Im Wiener Jargon hat die Schutzmaske neue Namen: Ausgehvurhangl (Ausgeh-Vorhang), Bappmwindl (Pappen-Windel), Fotznbatal (Fotzen-­Barterl), Goschnfetzn (­Goschen-Fetzerl).
Lesen Sie im nächsten Heft wieder ­lustige ­„Seitenhiebe“ von Dieter Chmelar