Eine gute Nachricht: Die Wien Holding mit 75 Betrieben und 2.900 Mitarbeitern ­steuert sicher durch die Krise. Wien Holding-Chef Dr. Kurt Gollowitzer im Interview.

WIENER BEZIRKSBLATT: Was war die größte Herausforderung für einen „Mischkonzern“ wie die Wien Holding bei der Bewältigung der Corona-Krise?
Dr. Kurt Gollowitzer: Die Wien Holding vereint rund 75 Unternehmen aus den vier Geschäfts­bereichen Kultur, Immobilien, Logis­tik und Medien unter einem Konzerndach. Unser oberstes Gebot für die Bewältigung der Krise ist, mit ruhiger und vorausschauender Hand unsere Unternehmen zu stabilisieren, ihre Substanz und ihre Arbeitsplätze zu sichern und sie möglichst rasch – so weit es die Corona-Maßnahmen zulassen – wieder in Richtung Normalbetrieb zu führen. Das ist keine einfache Aufgabe, da viele Unternehmen von den Entwicklungen im Tourismus, dem Öffnen der Grenzen, der Kaufkraft der Menschen und der Konjunktur abhängig sind.

Welche Hilfen hat die Wien Holding ­angenommen?
Um die kurzfristigen Auswirkungen der Corona-­Krise abzufedern, haben wir als Wien Holding sehr stark auf das Instrument der Corona-Kurzarbeit gesetzt, um alle Arbeitsplätze erhalten zu können. Das war hauptsächlich bei den Unternehmen im Kultur- und Freizeitbereich und der Personenschifffahrt der Fall. Zusätzlich wurden Urlau­be und Zeitausgleichsstunden abgebaut und dort, wo es möglich war, auf Homeoffice umgestellt und Digitalisierung forciert.

Wie bewertet der Wirtschaftskapitän das Krisenmanagement der Regierung?
Diese Krise hat uns alle vor ganz neue Heraus­forderungen gestellt und bei vielen Entscheidungen wird sich erst rückblickend zeigen, ob es die richtigen waren. Wirtschaftlich betrachtet ist der mittlerweile zweite Lockdown für Unternehmen natürlich dramatisch. Wichtig ist, dass jetzt schnell und unbürokratisch geholfen wird. Umsatzersatz oder Fixkostenzuschüsse sollen den Unter­nehmen hier rasche Hilfe bieten und es sollten auch öffentliche Unternehmen in den Bundesländern von den Hilfen nicht ausgeschlossen werden.

Welche Veränderungen bringt die jetzige Krise für die Zukunft?
Bei allen negativen Seiten, die Covid-19 mit sich gebracht hat, gibt es auch einen positiven Aspekt: die Digitalisierung. Man wurde sozusagen durch Corona regelrecht dazu gezwun­gen, die Digitalisierung voranzutreiben. Auch innerhalb der Wien Holding hat die digitale Welt einen enormen Schub bekommen: von perfekten Homeoffice-­Lösungen bis hin zur Digitalisierung des ­Hafen Wien.

Die Lehren aus der Corona-Krise?
Die Krise hat uns gelehrt, dass man nicht immer alles im Voraus planen kann. Man muss – persönlich, aber auch als Unternehmen – flexibel auf Veränderungen reagieren können und sich entsprechend anpassen. Denn Veränderung ist gut und notwendig. Die Krise hat uns aber auch gezeigt, wo diesbezüglich noch Optimierungsbedarf besteht.

Welche Geschäftsbereiche wird die Wien Holding weiter forcieren, wo wird man eventuell verändern?
Die Wien Holding bündelt gewinnbringende Wirtschaftsunternehmen und Unternehmen mit gemeinwirtschaftlichen Aufgaben. Diese Vielfältigkeit ist unsere Stärke, auch in Krisenzeiten. Während vor allem der Kultur- und Freizeitbereich, der Flughafen Wien und die Personenschifffahrt stark betroffen sind, ist die Corona-Krise beim Hafen Wien oder im Immobilienbereich weniger spürbar. Natürlich drücken die Lockdowns auf die Ergebnisse des heurigen Jahrs, aber das ausgezeichnete wirtschaftliche Ergebnis des Vorjahrs macht es uns leichter, die Auswirkungen der Corona-Krise zu stemmen. Das ist auch unserem vielfältigen Unternehmens-Mix zu verdanken, an dem wir weiterhin festhalten.

 

Digitaler Schub. Dr. Kurt Gollowitzer: „Auch innerhalb der Wien Holding hat die digitale Welt einen Schub bekommen.“