Dieter Chmelar über … den kultigen, kauzigen und köstlichen Kabarettisten Mike Supancic, der mit „Traumhafte Zeiten“ sein 20. Programm präsentiert (29.9., Stadtsaal). Schon als steirischer Gstermel bat der Beutewiener den Herrgott um diese Karriere.
Wie sagte schon der Altmeister der geistreichen Unterhaltung, Karl Farkas: „Zum Blödsein muss man g’scheit sein.“ Seit gut 40 Jahren lebt Mike (eigentlich Michael Josef) Supancic schon in Wien und hält sich aus tiefster Überzeugung und mit höchster Begabung dran. Nach Jugendtagen in Bruck an der Mur und Kapfenberg wusste der Eisenbahnersohn instinktiv: „Ich muss um Himmels willen in die Hauptstadt!“ Aber nicht zum Studieren an der Uni, sondern „in freier Wildbahn“. Mit spätestens sechs Jahren lautete sein Abendgebet nicht nur „Lieber Gott, mach mich fromm / dass ich in den Himmel komm“, sondern vor allem: „Schau, dass ich Schauspieler, Sänger und Tierarzt werde!“
Aufgeigen mit Gitarre
Der heutige Veteran der Brettl-Branche verwarf rasch den Veterinär und zog die „medizinische“ Forschung am lebenden menschlichen Objekt vor. Ein Jahr vor der Matura brach Supancic die HAK ab. Da hatte er bereits „Blut“ geleckt – mit Kabarett in der Klasse, das zum klassen Kabarett wuchs. Die Geige, die ihm der Vater „aufzwang“, legte Mike rasch beiseite, schon mit 13 wurde er eins mit der Klampf’n – die Gitarre blieb fortan quasi ein Körperteil des kauzigen Könners. „Anfangs“, so erinnert er sich, „war es nicht leicht. Ich musste mir mein Publikum erst erobern. In Graz und Wien habe ich nicht selten vor 10, 20 Leuten gespielt.“ Der bissige Beobachter mit dem listigen Lächeln baute auf Mundpropaganda – dabei schaute er den Menschen zwar aufs Maul, aber ohne ihnen nach dem Mund zu reden.
„Volksmundgeruch“ war Supancic zuwider. Als er zu Beginn seiner Karriere zufällig in einem Lokal saß, in dem Herbert Kickl vor den Seinen Hof hielt, ertrug er dessen Anwurf gelassen: „Wos bist du? A Kabarettist bist du? Kannst ka guter Kabarettist sein, weil sonst tät’ ich dich kennen.“ Seither hat er immer ein Bücherl eingesteckt, in dem er derlei Erfahrungen notiert und dann mit dem bewährten Ko-Autor Hannes Vogler zu Programmen komprimiert. Man könnte auch „komponiert“ sagen, denn die Musik ist Mikes meisterliches Leitmotiv.
Träume mit Weckruf
Im neuesten Wurf surft Supancic durch das „Traum-Zeit-Kontinuum“ vom Wunschtraum bis zum Albtraum. In einer „Horror-Hitparade“ knöpft er sich künstliche Intelligenz und natürliche Dummheit, Schul- und Medizin-System vor. Etwa die kostengünstige Do-it-yourself-Chirurgie, wofür ein Evergreen seiner legendären Landsleute von STS herhalten muss – statt „Irgendwann bleib i dann durt“ ertönt folgerichtig nicht „Der letzte Sommer war sehr scheen / i bin in irgendeaner Bucht g’leg’n“, sondern: „Mei letzte Hüft-OP war scheen / i bin allanich am OP-Tisch g’leg’n / Ohne Schuach und ohne G’wand / mit meiner e-card in der Hand / als Infusion an Zwetschgenbrand“.
Über allem schwebt die ebenso bittere wie beherzte Botschaft: „In traumhaften Zeiten muss man wach bleiben!“ Illusionen macht er sich keine, was die Aufgabe eines Kabarettisten sein sollte, denn: „Die, die da sind, wissen’s eh schon. Ich fühle mich momentan hilflos, all meine Träume und Wünsche, ob nun weltpolitisch oder hautnah, lösen sich zusehends in Luft aus. Ich führe da ein Rückzugsgefecht.“ Aber: „Bei allem Verdummen: Verstummen dürfen wir nicht!“
Midlife ohne Crisis
„Daheim“ – seit mehr als 30 Jahren im 15. Bezirk – heißt für den bald 60-Jährigen eine unverbrüchlich innige 35-jährige Beziehung zur Lehrerin Kathrin. Sie haben einen Sohn (Flynn, 23) und zwei Hunde (die Havaneser Mimi und Lala): „Daheim soll alles bleiben, wie es ist.“ Seit 25 Jahren verbringt die Familie ihre Sommerurlaube in einem kleinen Dorf auf Kreta. Auf die Frage „Spüren Sie die Midlife-Crisis?“ antwortete Supancic schon vor 5 Jahren: „Nein. Ich habe kein Motorrad und keine junge Frau.“ Seit seinem ersten Solo („Kauderwelsch“, 1987) und begrenzt bemerkten Band-Tagen hat es der grade Michl mit dem schrägen Humor zum Millionär gebracht: Sein „Lagerhaus-Reggae“ wurde auf YouTube 3 Millionen Mal angeklickt. Das wäre ihm als g’studierter Tierarzt kaum gelungen.


