Wer glaubt, Kabarett sei bloß Schmäh und Pointe, hat Marina Lacković alias Malarina noch nicht erlebt. In ihrem zweiten Solo „Trophäenraub“ verbindet sie bissige Gesellschaftsanalyse mit einem Augenzwinkern, das lange nachwirkt und manchmal auch ein bisschen wehtut.

Jagd nach dem „Versorger“ mit einem Seitenhieb

Malarina hat in „Trophäenraub“ ein Problem, und zwar ein sehr österreichisches: Finanzamt und Sozialversicherung wollen Geld. Viel Geld. Die Lösung? Eine ebenso pragmatische wie provokante Idee. Warum nicht das System nutzen, statt es zu bekämpfen? Als selbsternannte „bürgerliche Pseudo-Feministin“ begibt sich ihre Bühnenfigur auf Trophäenjagd durch die Geschichte.

Vom Urmenschen bis zur Gegenwart datet sie sich durch Epochen, immer auf der Suche nach dem idealen Versorger. Der Clou: Hinter der augenzwinkernden Jagd steckt eine präzise Analyse von Macht, Kapital und Geschlechterrollen.

Zwischen Balkan-Schmäh und Wiener Grant

Geboren in Serbien, aufgewachsen in Tirol, angekommen in Wien. Malarinas Biografie ist so vielschichtig wie ihr Humor. Schon ihr Debüt sorgte für Aufsehen, mit „Trophäenraub“ legt sie nach. Dabei schafft sie das Kunststück, unterschiedlichste Publikumsgruppen abzuholen: Migrant:innen, Bildungsbürger:innen, Kabarett-Purist:innen.

Ihr Stil? Eine Mischung aus Balkan-Direktheit und Wiener Ironie, die sich weder vor politischen Themen noch vor gesellschaftlichen Absurditäten scheut. Dass sie dabei konsequent „nach oben tritt“, macht ihre Arbeit umso pointierter und relevanter.

Kabarett als eine Form des Widerstands

Für Malarina ist klar, dass Satire kein Luxus ist, sondern notwendig. Gerade in einem Land mit so reicher Kabaretttradition wie Österreich. Ihr Programm liest sich wie eine temporeiche Geschichtsstunde mit Pointe: von Antike bis Gegenwart, von Gleichstellung bis Rückschritt.

Die zentrale Frage bleibt hängen: Warum bewegen wir uns gesellschaftlich manchmal rückwärts? Und wer profitiert davon? „Trophäenraub“ liefert darauf keine einfachen Antworten, aber viele kluge Beobachtungen, Verpackt in zwei Stunden voller Lacher. Da bleibt kein Auge trocken, aber das Hirn arbeitet mit – klare Empfehlung. Schnell Karten sichern!

Malarina: Trophäenraub
malarina.com