Im Roten Waschsalon

Sonderausstellung von 17. 5. 2020 bis 28. 11. 2021

Im Umfeld der europäischen Arbeiterparteien entstehen Ende des 19. Jahrhunderts auch Turn- und Sportvereine, die sich bewusst vom „bürgerlichen“ Sport abgrenzen. Nicht Rekordstreben und Kommerz sind Ziel und Zweck der sportlichen Betätigung, sondern die körperliche Ertüchtigung sowie die geistige und kulturelle Entwicklung der Arbeiterschaft – als Vorbereitung auf ein Leben in einer sozialistischen Gesellschaft.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg sammeln sich 1919 die Arbeitersportvereine, die Arbeiterradfahrer und die Naturfreunde im Verband der Arbeiter- und Soldatensportvereine (VAS), der sich 1924 mit der Zentralstelle der österreichischen Arbeiterturnvereine zum Arbeiterbund für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) vereint. Gegen Ende der 1920er-Jahre zählt der ASKÖ bereits über 200.000 Mitglieder.
Da der österreichische Arbeiterbund für Sport und Körperkultur europaweit die höchsten Mitgliederzahlen aufweist und zudem das Rote Wien die besten Voraussetzungen für die Durchführung einer derartigen Veranstaltung mitbringt, wird die Austragung der 2. Arbeiter-Olympiade an Österreich vergeben.
Die Winterspiele finden im Februar 1931 in Mürzzuschlag und auf dem Semmering statt, die Sommerspiele vom 19. bis zum 26. Juli in Wien. Das anlässlich der Arbeiter-Olympiade neu errichtete Praterstadion mit Stadionbad wird wenige Tage vorher, am 11. Juli, feierlich eröffnet.
Trotz Weltwirtschaftskrise nehmen an die 25.000 Sportlerinnen und Sportler aus 27 Nationen teil, darunter mit Hapoel Tel Aviv auch eine Delegation aus dem britischen Mandatsgebiet Palästina. Insgesamt strömen 70.000 Menschen nach Wien, darunter 30.000 Deutsche. „Die Bevölkerung von Innsbruck mußte untergebracht werden“, berichtet Organisator Edmund Reismann.
 
„Wir verzichten von vornherein auf alle Sensationen“
(Julius Deutsch)
 
Bei dieser größten bis dahin in Wien abgehaltenen Sportveranstaltung werden 117 Bewerbe
in 18 Sportarten ausgetragen, darunter „Klassiker“ wie Fußball, Hand- und Faustball, aber auch Disziplinen, die den Arbeitersportlern „bisher verschlossen waren“, wie Tennis, Jiu-Jitsu und Paddeln oder damals populäre Sportarten wie Schleuderballwerfen oder Raffball.
 
Der Waschsalon Karl-Marx-Hof zeigt neben Fotos, Festführern, Postkarten und Broschüren zur 2. Arbeiter-Olympiade aus den Beständen des Vereins für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung auch Objekte aus dem Archiv des ASKÖ WAT Wien.
Darüber hinaus gibt es auch altes dokumentarisches Filmmaterial aus den Beständen des WIFAR (Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung) und des Filmarchiv Austria zu sehen.
 
Aufgrund der Verschiebung der Olympischen Spiele wird die Ausstellung bis
28. 11. 2021 verlängert.