Dieter Chmelar über… ein unerschöpfliches Thema, das die Menschheit seit jeher prägt und bewegt: Wie viel Liebe brauchen Kinder und wie viel davon bleiben ihnen männliche „Erzeuger“ schuldig? Nachfragen bei Schmidinger, Steinhauer und Fälbl.

Jüngst feierte Dolly Schmidinger ihren 75er und schenkte uns ein so berührendes wie beklemmendes Buch: „Hannerl und ihr zu klein geratener Prinz“ (Kremayr & Scheriau), eine Zeitreise entlang der Lebens­linien ihrer Eltern und Großeltern. Die Kabarettistin, Schauspielerin, Regisseurin und Autorin heißt laut Taufschein offenbar nicht von ungefähr Dolores – die Schmerzens­reiche. Ihre sorgfältige Spuren­suche ist auch das historische Dokument eines Jahrhundert-Vorhabens, nämlich des sozialdemokratischen Kampfes um ein menschliches Miteinander. Bei der Präsentation im Otta­kringer Café Ritter schilderte sie den „Titelhelden“, ihren Vater, als Ursprung ihres Leidenswegs aus der Gefangenschaft der Kindheit. „Als ich mit fünf, sechs Jahren dick wurde, verstieß er mich. Alles, was mich antrieb, war, es ihm zu beweisen.“ Komö­diantik aus Notwehr gegen schwar­ze Pädagogik. „Es gelang mir, schon in der Klosterschule die anderen zum Lachen zu bringen. Das hielt ich für Liebe.“

Urkomisches Ultimatum

Dieser Tage wurde Erwin Steinhauer 70. Was für ein ­Kaliber des Kabaretts! Ihn als „Charakterdarsteller“ zu bezeichnen, bedeutet auch: Er ist Darsteller UND hat Charakter (Buchtipp: „Der Tragikomiker“, Ueberreuter Verlag). Ich liebe seinen Merksatz: „Natürlich bin ich Patriot, aber nur, was die Landschaft betrifft. Das Land gefällt mir so gut, dass ich es gegen alle verteidige, die ihm in den Rücken fallen – auch gegen Öster­reicher.“ Ursprünglich hätte
er Lehrer werden sollen. Als er zu größeren Bühnen drängte, setzte ihm sein Vater ein unvergessliches Ultimatum: „Bua, i sag dir eines: Wennst mit 32 net so berühmt bist wie der Ossy Kolmann, dann lasst es.“ Das ist vergleichsweise harmlos, wenn man bedenkt, dass der Oscar-nominierte Ex-„Jedermann“ Peter Simonischek von seinem Vater noch mit 18 (!) eine Tracht Prügel bezog, als er ihm mitteilte, dessen Betrieb nicht übernehmen zu wollen. Fritz Imhoff, ein ­Gigant der Filmkomik, den nur noch Hans Moser übertraf, hieß ­eigentlich Jeschke. Imhoff nannte er sich justament, weil ihm sein Vater einst abschätzig beschieden hatte: „Wos willst werden? Schauspieler? Waaßt, WO du Schauspieler werden kannst? IM HOF!“

Gefordert & gefördert

Stichwort „Moser“ – das war einst die Antwort des Volksschülers Christoph Fälbl auf die Frage der Lehrerin nach Berufswünschen der Taferlklasse! Der leibliche Vater des Schauspielers und Erz­komödianten hatte sich „früh vertschüsst“, seine Mutter heiratete 1985 den international höchstdekorierten österreichischen Fernsehunterhalter Peter Lodynski („Goldene Rose“ 1971). Er verriet mir einmal augenzwinkernd: „Mein Gott, der Bua war halt die Zuwaag’ – a klaner Gstermel, damals ­wenigstens noch mit Haaren.“ Der Bua wurde fortan geformt, gefordert und gefördert, „sonst wär ich a durchschnittlicher Koch oder a unfreund­licher Kellner geworden“. Nun starb Lodynski, kurz vor seinem 85. Geburtstag. Ein großer Entertainer, ein großartiger Papa, von dem viele kleine Genies nur träumen konnten.

Bitte vormerken: Erwin („Polt“) Steinhauer ist im ­Rahmen der „KRIMINACHT 2021“ am 12. ­Oktober, 19 Uhr, Stargast im Café Hummel!

 Seitenhiebe
Väter große Könige oder zu kleine Prinzen