Robert Streibel, der ‚ausgezeichnete‘ Direktor

David Buchas, Berger, Stadt krems

Ecken, Kanten und klare Worte zeichnen Robert Streibel aus. All das setzt er gekonnt im Kampf gegen das Vergessen ein, dem er sich verschrieben hat. „Als ich 1999 Direktor der VHS Hietzing wurde, gab es keinerlei Erinnerung an die ermordeten und vertriebenen Juden in Hietzing.“ Heute finden sich im 13. Bezirk zahlreiche Gedenktafeln und -Steine, die an die mörderische Zeit erinnern. Alle davon sind seinem unermüdlichen Einsatz zu verdanken, der sich auch in seinem Beruf widerspiegelt. „Eine Volkshochschule muss eine Begegnung ermöglichen, gleichgültig welche Meinungen, politischen Ansichten, welche Herkunft oder über welches Einkommen die Menschen verfügen.“ Doch sein Enthusiasmus reicht über die Grenzen Wiens hinaus.

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Gegen Widerstände

Seit 30 Jahren forscht der geborene Kremser zur Geschichte seiner Geburtsstadt nach 1918 und in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Einsatz und zahlreiche Veröffentlichungen wurden jetzt gewürdigt – mit der Wappenplakette in Gold. „Er hat bei seinen Arbeiten immer nachgefragt und nachgebohrt. Auch tief gebohrt. Das hat ihm viel Gegenwind und sogar An­feindungen eingebracht“, so Bürgermeister Reinhard Resch in seiner Laudatio.

Zeichen setzen

Die Direktorin des Hauses der Geschichte Monika Sommer bringt es auf den Punkt: „Als Volksbildner im besten und aufgeklärten Sinne des Wortes scheut er nicht davor zurück, sich präzise zu überlegen, welches Format ein Projekt braucht.“ Ein sicht­bares Zeichen dafür setzte er gerade. Gemeinsam mit dem Künstler Markus Tripolt hat er den berühmten Satz „War is over“ von Yoko Ono und John Lennon auf die Fassade der VHS gemalt. Weitere Aktionen sollen folgen.

 

Robert Streibel im Porträt

Name: Robert Streibel
Beruf: Direktor der VHS Hietzing und Historiker
Persönliches: Geboren in Krems, lebe ich seit dem Studium in Wien. Meine Heimatstadt hat mich nie losgelassen, seit 30 Jahren forsche ich zur Geschichte von Krems nach 1918 und in der Zeit des Nationalsozialismus. Die verdrängte und vergessene Geschichte war auch in den letzten 20 Jahren ein großes Thema der VHS Hietzing. So steht es auf meiner Seite: www.streibel.at
Alter: 63 Jahre
Was ich an Hietzing mag: Das große Interesse an Kunst und Kultur und die Vielfalt und Gegensätze, die nicht auf den ersten Blick zu entdecken sind, aber trotzdem bestehen.
Was mir wichtig ist: Bei unterschiedlichen Meinungen, Ansichten oder Konflikten ist es wichtig, dass niemals vergessen wird, dass das Gespräch die einzige Möglichkeit ist, die andere Seite zu verstehen. Mit vielen Projekten bin ich nicht immer auf einer „Wohlfühl-Welle“ gesegelt. Manches Mal ist es notwendig gegen den Strom zu schwimmen und Grenzen auszuloten.