Mit Oberst Xenia Zauner leitet seit November 2020 zum ersten Mal eine Frau die Einsatzabteilung der Wiener Polizei. Eine Schlüsselstelle für die Sicherheit in der Bundeshauptstadt Wien.

Drehen wir kurz das Rad der Zeit in den Mai 2019 zurück, als das Ibiza-Video die Bundes­regierung von Türkis-Blau sprengte. Die Fernsehbilder waren einprägsam. Spontan strömten Menschen auf den Ballhausplatz in Wien vor das Bundeskanzleramt: Sprechchöre, Transparente, Emotionen! Für die Wiener Polizei wurde in diesem Moment die politische Krise auch zu einer ­Krise auf der Straße.

Lagebeurteilung
In der polizeilichen Fachsprache wird ein solches Ereignis „Spontan­lage“ genannt. Tritt eine derartige ein, beginnen sich die ­Räder in der Landesleitzentrale der Wiener Polizei sehr schnell zu drehen. Es geht um den Schutz der Demonstranten, um den Schutz der Regierung, um Objektschutz und vieles mehr. Beamte werden vor Ort geschickt, ein Lagebild wird erstellt und das Ziel des Einsatzes festgelegt. Um das bewältigen zu können, wird in der Landespolizeidirektion ein Stab gebildet, der ­keine leichte Aufgabe hat, denn es geht um die Sicherheit jedes Einzelnen und im äußersten Fall um Menschenleben. Es ist etwa zu beurteilen, ob die Lage eskalieren oder ob sich eine Gegendemonstration bilden ­könnte. Je nach Lagebeurteilung müssen die Beamten vor Ort angewiesen, positioniert, zahlenmäßig verstärkt und Einsatzentscheidungen getroffen werden.

Xenia Zauner
Die Spontandemon­stration rund um Ibizagate ist dabei nur ein Beispiel von vielen, die die Einsatzabteilung der Wiener Polizei neben der täglichen Routine zu bewältigen hat. Aber sie verdeutlicht plakativ sehr gut, welche Aufgabe Xenia Zauner, 40, als neue Leiterin der Einsatzabteilung übernommen hat. Bei ihr laufen alle Fäden der Einsätze der Wiener Polizei zusammen und sie zeichnet verantwortlich. Verantwortung zu übernehmen ist nicht neu für sie. Nach der Matura 1999 trat sie in den Polizeidienst ein und durchlief eine teils klassische, teils außergewöhnliche Karriere im Polizeidienst. In ihrem Lebenslauf findet sich die Leitung der Verkehrsabteilung ­Wien-Meidling genauso wie die stellvertretende Leitung des Referates Strategie und Entwicklung in der Landespolizeidirektion Wien oder der operative Permanenzdienst als leitender Offizier in der Landesleitzen­trale Wien. Und wer die Frau Oberst zufällig auf der Straße trifft, kann sie auch ruhig auf Englisch oder Italienisch ansprechen. Sie ist dreisprachig fit.

17.000 Demonstrationen pro Jahr
Generalmajor Karlheinz Dudek, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereiches, Strategie und Einsatz ist voll des Lobes für seine Kollegin Zauner: „Sie hat ihre Kompetenz bei Großeinsätzen mehrfach ­unter Beweis gestellt. Sie hat unser Vertrauen.“ Dieses Vertrauen ist wichtig. Denn Wien als Bundeshauptstadt ist vielfach ein Hotspot. 2019 fanden in Wien 17.000 Demon­strationen – von klein bis groß – statt. Pro Tag erreichen die Einsatzleitung 3.000 bis 4.000 Anrufe unter der Notrufnummer 133, die bis zu 1.500 Einsätze auslösen. Dabei gilt es, in der Landesleitzentrale 700 Beamte, die permanent unterwegs sind, zu koordinieren. Die Palette in der täglichen Routine ist groß: Lärmbelästigung, Unfälle, Nachbarschaftsstreit, Körperverletzung, Brände, Einbruch, Raub bis hin zu Mord. Und dann gibt es noch die Großereignisse wie Opernball, Donauinselfest oder Spontanlagen wie Ibizagate oder auch den Terroranschlag. All diese Einsätze werden von der Landesleitzentrale, die in der Einsatzabteilung eingegliedert ist, koordiniert. Österreich Sicher wünscht Xenia Zauner alles Gute in ihrem neuen
Verantwortungsbereich.


Oberst Xenia Zauner. Mit Xenia Zauner, 40, wurde erstmals eine Frau mit der Leitung der Einsatzabteilung der Wiener Polizei betraut. Das Leitbild der verdienten Beamtin ist klar definiert: „Führung bedeutet für mich Verantwortung für die gemeinsame Sache sowie eine Rolle als Vorbild hinsichtlich Respekt, Wertschätzung, Charaktereigenschaften und Verbindlichkeit.“ Polizistin wurde sie, weil sie „Herausforderungen liebt und einen abwechslungsreichen und spannenden Beruf haben wollte“. Sie ist mit Schauspieler Martin Zauner, bekannt aus den „CopStories“, verheiratet und unternimmt am liebsten Roadtrips durch die USA.