Ein unscheinbarer Steinpfad im Ruhe- und Sinnesgarten Siebenbrunnengasse erzählt eine Geschichte, die weit über den Bezirk hinausreicht: Eine neue Infotafel macht das Kunstwerk nun sichtbar und verständlich.
Wer den Ruhe- und Sinnesgarten in der Siebenbrunnengasse 29 besucht, dürfte den ungewöhnlichen Steinpfad schon einmal bemerkt haben. Doch was haben die Steine dort eigentlich zu suchen?
Die Antwort führt weit zurück – sehr weit. Denn die Steine des schneckenförmigen Kreises sind nach ihrem geologischen Alter angeordnet. Die jüngsten sind rund eine Million Jahre alt, die ältesten reichen mehrere hundert Millionen Jahre zurück. Zusammen erzählen sie ein Stück österreichischer Erdgeschichte.
Vom Gotland-Erlebnis nach Margareten
Die Idee dazu hatte die Margaretnerin Karin Moser. Bei einer Reise nach Gotland war sie von der Trojaburg bei Visby beeindruckt – einer historischen Anlage, bei der Steine kreisförmig angeordnet sind. Besonders faszinierte sie die Idee, einen solchen Weg gemeinsam zu gehen und sich dabei zu begegnen.
Moser brachte die Inspiration zurück nach Margareten und entwickelte sie gemeinsam mit dem Geologen Godfrid Wessely weiter. Das Ergebnis ist heute mitten in der Parkanlage zu finden.
Gesteine aus unseren Flüssen
Die verwendeten Gesteine stammen aus österreichischen Flüssen, unter anderem aus der Donau, der Schwechat, der Traisen und der Mur. Was wie eine Ansammlung einzelner Steine aussieht, ist damit zugleich ein geordnetes Archiv der Erdgeschichte.
Jetzt kommt Steinkreis-Erklärung
Bisher fehlte allerdings eine wichtige Information: die Geschichte hinter dem Kunstwerk. Viele Margaretner kannten die Steine, wussten aber wenig über ihre Bedeutung.
Das soll sich nun ändern. Eine neue Infotafel macht den Steinpfad künftig zu einem sichtbaren Teil des Ruhe- und Sinnesgartens. Die Initiative dafür ging auf einen Antrag von SPÖ Margareten und ÖVP Margareten in der Bezirksvertretung zurück.
SPÖ und ÖVP gemeinsam
„Mit der neuen Infotafel wird dieses besondere Kunstwerk besser verständlich und sichtbarer. So können Besucher den Ruhe- und Sinnesgarten mit einem neuen Blick entdecken“, sagt Bezirksvorsteher Michael Luxenberger.
Für Alexander Maly, Klubobmann der ÖVP Margareten, geht es dabei auch um die lokale Verbindung: „Der Steinkreis ist einerseits ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, aber auch ein Werk einer Margaretnerin und eines Margaretners. Mit der neuen Info-Stele würdigen wir die Idee, das Kunstwerk und die Nachbarschaft gleichermaßen.“
Auch Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christoph Lipinski, der den Antrag im Namen der SPÖ Margareten einbrachte, hebt die Verbindung von Wissenschaft und Engagement hervor. Der Steinpfad sei ein Ort, an dem „wissenschaftliche Leidenschaft und bürgerschaftliches Engagement“ zusammenkämen.
Auf der Tafel steht geschrieben:
Der Steinkreis
Gestaltet von Dr. Godfrid Wessely.
Die Steine aus österreichischen Flüssen erzählen,
nach ihrem geologischen Alter angeordnet, von Millionen Jahren Erdgeschichte.
Ein Ort der Ruhe, Erinnerung und Besinnung in Margareten.
Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten Spaziergang im Ruhe- und Sinnesgarten einmal genauer hinzusehen. Denn zwischen den Steinen liegt eine Geschichte, die deutlich älter ist als Margareten selbst.

