Wien benennt Straße nach Elizabeth T. Spira

(C) Dujmic Bubu: Die Stadt benennt eine Straße nach Elizabeth T. Spira.
(C) Dujmic Bubu: Die Stadt benennt eine Straße nach Elizabeth T. Spira.

Straßennamen, Denkmäler und Plätze spiegeln Werte, Geschichte und Identität einer Stadt im öffentlichen Raum wider. Der Wiener Kulturausschuss hat in seiner letzten Sitzung insgesamt zehn Neubenennungen von Verkehrsflächen beschlossen. Und ehrt damit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Darunter sieben Frauen, wie die legendäre Journalistin Elizabeth T. Spira oder die Politikerin Erika Krenn, die sich für die Rechte von Frauen stark machte.

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Ungleichgewicht

Um das Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Straßennamen in Wien abzumildern wurde 2013 einstimmig im Gemeinderat beschlossen, künftig forciert Verkehrsflächen nach Frauen zu benennen. “Es freut mich sehr, dass in Wien seit dem Beschluss rund 170 öffentliche Orte hinzugekommen sind, die Frauennamen tragen. Denn Sichtbarkeit ist ein wichtiges Element auf dem Weg zur Gleichberechtigung”, so Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. “Diesen Frühsommer konnte die Stadt zum Beispiel Plätze nach der Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Holocaust-Überlebenden Ruth Klüger und der Aktivistin für die Lesben- und Schwulenbewegung Helga Pankratz feierlich eröffnen.”

Neu beschlossene Verkehrsflächenbenennungen nach Frauen

  • Nach der TV-Journalistin und Filmemacherin Elizabeth T. Spira (1942–2019), die für ihre Dokumentarfilm-Reihe “Alltagsgeschichte” und die Sendung “Liebes- g’schichten und Heiratssachen” einem großen Publikum bekannt wurde, wird eine Verkehrsfläche im Stadtentwicklungsgebiet Aspanggründe – Eurogate benannt: die „Elizabeth-T.-Spira-Promenade”.
  • Die „Karoline-Tintner-Promenade“, ein Geh- und Radweg zwischen Friedensbrücke und Siemens-Nixdorf-Steg im 9. Bezirk, wird an die von den Nazis in Theresienstadt ermordete österreichisch-jüdische Grafikerin Karoline Tintner (1881–1943) erinnern.
  • Ebenfalls am Donaukanal in 1090 Wien wird die Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin, und Schrifstellerin Olga Misař (1876–1950) mit der „Olga-Misař-Promenade“, einem Geh- und Radweg zwischen Siemens-Nixdorf-Steg und Augartenbrücke, gewürdigt.
  • Nach der politischen Widerstandskämpferin, Juristin und Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Schilder (1904–1983) wird eine Straße in Wien Favoriten benannt. Die „Elisabeth-Schilder-Gasse“ wird im Stadtentwicklungsgebiet „Neues Landgut“ zu finden sein.
  • In diesem neuen Stadtviertel Wiens werden auch Elisabeth Sundt (1928–2005) verewigt. Der Architektin, eine Pionierin der Massivfertigbauweise, wird der „Elisabeth-Sundt-Platz“ gewidmet.
  • Die Politikerin und Lehrerin Erika Krenn (1925–2018), die sich sehr für die Rechte und die Förderung von Frauen stark machte, wird im Stadtentwicklungsgebiet „Neues Landgut“ mit der „Erika-Krenn-Promenade“ geehrt.
  • Eine weitere neu benannte Verkehrsfläche im Stadtentwicklungsgebiet “Neues Landgut” wird künftig nach Heidemarie Lex-Nalis (1950–2018) heißen. Die „Heidemarie-Lex-Nalis-Gasse“ würdigt das Leben dieser Soziologin und Pionierin der Elementarpädagogik.

Hugo Portisch und Josef Deutsch

  • Direkt vor dem ORF-Zentrum wird es künftig in Erinnerung an den 2021 verstorbenen Publizisten und Journalisten Hugo Portisch (1927–2021) die Hugo-Portisch-Gasse geben. Sie benennt einen Teilabschnitt der Würzburggasse im Bereich Fonovitsplatz in Wien Hietzing.
  • Dem Politiker und langjährigen Bezirksvorsteher von Favoriten Josef Deutsch (1925–2016), in dessen Amtszeit viele wichtige Meilensteine für den Bezirk gesetzt wurden (Naherholungsgebiet Laaer Wald, Südosttangente, U1-Führung bis Reumannplatz) wird im Stadtentwicklungsgebiet „Neues Landgut“ mit der „Josef-Deutsch-Straße“ erinnert.
  • Überdies wird ein Teilbereich der Favoritenstraße, jener Abschnitt zwischen Johannitergasse und Sonnwendgasse, zum „Platz der Kulturen“. 

Ungleichheit

Von den rund 4 600 nach Personen benannten Plätzen und Straßen sowie Parks, Schulen, Brücken, Gemeindebauten, Krankenhäusern, Sportstätten sind inzwischen rund 550 nach Frauen benannt – das sind 12 Prozent. Das Ungleichgewicht bei den Straßennamen ist historisch bedingt; erst im 19. Jahrhundert wurde überhaupt eine Verkehrsfläche nach einer Frau benannt. Eine Kaiserin Maria-Theresia-Straße war naheliegend, aber auch die Längenfeldgasse, ist, was wenig bekannt ist, nach der später wegen ihrer wohltätigen Stiftung geadelten Josepha Haas von Längenfeld-Pfalz benannt.

Es ist zunehmend schwierig, im innerstädtischen Gebiet freie, noch unbenannte Verkehrsflächen zu finden, die Personen gewidmet werden können. Generell ist das dort leichter möglich, wo neue Flächen entstehen, insbesondere in neuen Stadtentwicklungsgebieten. In der Seestadt Aspern zum Beispiel, wo man allerdings ein besonderes Zeichen setzt und ausnahmslos Frauen als Namensgeberinnen von Verkehrsflächen zum Zug kommen lässt.