Gruppe Sofortmaßnahmen

Schwere Missstände in Arztpraxis in Favoriten

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Mann hat Patienten behandelt, der nicht mehr zur Ausübung des Arztberufs berechtigt war. Hygienemängel und abgelaufene Medikamente wurden festgestellt.

Schwerpunktkontrolle fand gravierende Missstände

Unter der Leitung der Gruppe Sofortmaßnahmen wurde gestern, Dienstag, bei einer koordinierten Schwerpunktkontrolle in einer Arztpraxis in Wien-Favoriten eine Vielzahl gravierender Missstände festgestellt. An der Kontrolle waren die MA 6 (Erhebungs- und Vollstreckungsdienst), die MA 15 (Gesundheitsdienst), die MA 40 (Sozialamt), die Landespolizeidirektion Wien, die Ärztekammer für Wien sowie die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) beteiligt.

Arztstempel eines anderen Arztes missbräuchlich verwendet

Im Zuge der Erhebungen erhärtete sich der Verdacht, dass ein Mann, der seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt ist, weiterhin Patientinnen und Patienten behandelt haben soll. Das Angebot reichte von Botox-Behandlungen bis hin zu Beschneidungen. Zudem soll er den Arztstempel eines anderen, erst seit Kurzem an diesem Standort niedergelassenen Arztes missbräuchlich verwendet haben. Darüber hinaus gab es einen Fall von Schwarzarbeit sowie einen unrechtmäßigen Bezug von Leistungen aus der Wiener Mindestsicherung.

Gravierende Hygienemängel, abgelaufene Medikamente

Neben gravierenden Hygienemängeln in der Praxis für Allgemeinmedizin wurden abgelaufene Medikamente und Spritzen sowie bereits geöffnete und nicht fachgerecht gelagerte Medikamentenfläschchen vorgefunden. Außerdem wurden Medikamente, die nicht in der EU zugelassen sind, vorgefunden und beschlagnahmt. Besonders bedenklich war die Aufbewahrung von Arzneimitteln in einem unversperrten Rollcontainer im Wartebereich, wodurch diese für anwesende Personen frei zugänglich waren.

Mängel bei medizinischer Sicherheit

Besonders alarmierend waren die massiven Mängel bei der medizinischen Sicherheit: Die vorgeschriebene Notfallausrüstung fehlte gänzlich, für mehrere medizinische Geräte, darunter ein Elektrokardiogramm (EKG), konnten keine Überprüfungsnachweise vorgelegt werden. Zusätzlich wurden bedenkliche elektrische Verkabelungen und teilweise aus der Wand gerissene Steckdosen festgestellt.

Vielzahl von Anzeigen durch Magistrat und Polizei

Seitens des Magistrats wurden eine Vielzahl an Anzeigen nach dem Ärztegesetz gelegt. Die Wiener Polizei erstattete Anzeigen wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Aufgrund der Vielzahl und Schwere der festgestellten Missstände wurde die gesamte Ordination behördlich versiegelt und die Türschlösser der Ordination ausgetauscht.

„Vertrauen in Ärzte darf niemals missbraucht werden“

Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen der Stadt Wien, sagt:

„Ärztinnen und Ärzte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie genießen das Vertrauen der Menschen, weil es um das Wertvollste geht, das wir haben: unsere Gesundheit. Wenn Menschen medizinische Hilfe suchen, müssen sie sich darauf verlassen können, in sicheren Händen zu sein. Dieses Vertrauen ist das Fundament unseres Gesundheitssystems und darf niemals missbraucht werden.“

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