Corona-Regeln in Wien: „Das Virus hat keine Ferien“

(C) C.Jobst/PID

Wien hat mit 1. Juli die Corona-Regeln für die Stadt konkretisiert. Seit 1. Juli gelten etwa die Antigen-Selbsttests nicht mehr als Eintrittstests und eine Testpflicht für Kinder ab 6 Jahren besteht. Bürgermeister Michael Ludwig gab gemeinsam mit Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbunds und Sylvia Hartl, Vorständin der Abteilung für Atemwegs- und Lungenkrankheiten der Klinik Penzing, im Rahmen einer Pressekonferenz die aktuelle COVID-Situation in Wien bekannt.

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„Ich lege als Politiker wert auf wissensbasierte Entscheidungen“, so der Wiener Stadtchef, denn „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“. Durch die Verbreitung der Delta-Mutation, sei eine Steigerung der Infektionen in Wien zu befürchten.

Das Virus hat keine Schulferien

Die Impfungen in der Stadt laufen, immer mehr Wienerinnen und Wiener lassen sich impfen. Derzeit haben rund 660.000 Wiener die zweite Dosis erhalten. Jedoch sind große Teile der Wiener Bevölkerung noch nicht geimpft. So müssen vor allem Kinder besonders geschützt werden. Die Stadt Wien hat mittlerweile das Impfangebot weiter ausgebaut – neben Impfpartys können auch Impfungen ohne Voranmeldung im Austria Vienna Center oder täglich in der Impfbox.

Derzeit ist neben der Maske nur das Testen ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Kinder. Diese wurden bisher regelmäßig in der Schule getestet, im Sommer fiele das Angebot aber weg. „Das Virus hat keine Schulferien“ argumentiert der Wiener Bürgermeister den Beschluss zur Testpflicht für Kinder ab 6 Jahren und die vom Bund abweichenden Corona-Regeln. Kinder können genauso infektiös wie Erwachsene sein, bilden aber oft keine oder nur geringe Symptome aus. Das macht vor allem die grasierende Delta-Variante gefährlich – denn Kinder stecken andere Kinder und deren Eltern an.

Der Sommer ist zwar Befreiter, da viele Einschränkungen weggefallen sind, doch die Gefahren der Panemie sind noch nicht überwunden. Daher gelte es jetzt weiter Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und einen starken Ausbruch samt Lockdown im Herbst zu vermeiden.

Blick über den Tellerrand

Ein Blick über den österreichischen Tellerrand macht den Ernst der Lage auch im Sommer klar. So sind Länder wie Portugal, Spanien oder das Vereinigte Königreich wieder mit stark steigenden Zahlen konfrontiert. Auch Länder mit niedrigen Inzidenzen – wie Dänemark oder Niederlande – sind von der aggressiveren Delta-Variane betroffen. Derzeit befinde man sich zwar auf einem gleichbleibenden, aber nicht sinkenden Infektionsniveau.

Michael Binder, Medizinscher Direktor des Wiener Gesundheitsverbunds, erklärte, dass „alle steigenden Fallzahlen in Europa mit der Delta-Variante zu tun haben“. In den derzeitigen Hot-Spots war anfangs eine ähnliche Situation wie in Österreich gegeben: auf stagnierende Fallzahlen folgte ein starker Ausbruch. Daher gelte es auch im Sommer die Pandemie ernst zu nehmen.

„Wer von Welle zu Welle nicht dazulernt ist unverantwortlicht“ so Sylvia Hartl, Vorständin der Abteilung für Atemwegs- und Lungenkrankheiten der Klinik Penzing. Daher sei es jetzt wichtig alle Corona-Regeln mitzutragen um Leben und Gesundheit zu schützen. Wenn 10% der Ungeimpften an Corona erkranken, würde dies wieder die Spitäler hart treffen und die medizinische Versorgung gefährden. Aber auch Long-Covid-bedingte Langzeitschäden müssen als Gefahr erkannt und vermieden werden.

Testen

Regelmäßiges Testen ist der Schlüssel um frühzeitig Infektionsketten zu durchbrechen. In Wien wurde mit „Alles Gurgelt“ ein breites und flächendeckendes Testnetz geschaffen. Der dabei verwendete PCR-Test zählt als der „Goldstandard“ unter den COVID-Tests. Durch diese Tests können schon geringe Viruslasten erkannt und auch sequenziert werden.

Der Test ist dabei kostenlos und schmerzfrei. Getestet kann daheim vorm Bildschirm aber auch an den Standorten der Gurgelboxen.