Ein Jahr nach der Waldbrandkatastrophe

(C) PID/VOTAVA: Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf
(C) PID/VOTAVA: Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf

Ein Jahr ist seit der Waldbrandkatastrophe in Hirschwang an der Rax vergangen. Was als Kleinbrand in steilem und felsigen Gelände begann, entwickelte sich auf einer Fläche von 115 Hektar zu einem der aufwendigsten Löscheinsätze Österreichs. Tausende Feuerwehr-Kameradinnen und Feuerwehr-Kameraden kämpften 13 Tage lang gegen die Flammen. Am 6. November 2021 konnte „vorläufiges Brand aus“ gegeben werden. Seither wurde in Prävention, Ausbildung und Ausrüstung investiert. Auch der Wiederaufbau des Waldes hat sofort begonnen. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky zogen mit Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner und dem Wiener Forstdirektor Andreas Januskovecz Bilanz und gaben einen Ausblick.

„Geschichte des Zusammenhalts“

„Wir investieren seit mehreren Jahren kräftig in die Ausrüstung und die Ausbildung unserer Einsatzkräfte. All das hat sich bereits in Hirschwang bezahlt gemacht. Und all das werden wir auch in Zukunft brauchen, denn uns ist natürlich klar, dass Hirschwang zwar hoffentlich der größte, aber leider nicht der letzte Waldbrand gewesen sein wird“, sagte LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, der auch betonte: „So haben Niederösterreichs Feuerwehren seit dem Vorjahr 18 neue Waldbrand-Spezialfahrzeuge um 3,7 Millionen Euro in Dienst gestellt. In den nächsten Monaten kommen dazu zusätzliche acht Waldbrandlöschfahrzeuge, acht Pick-ups und 56 Rollcontainer um weitere 4,3 Millionen Euro. Das sind also insgesamt acht Millionen Euro für die Waldbrandbekämpfung.“ Derzeit werde zudem an 212 sogenannten Waldfachplänen zur noch besseren Einsatzplanung gearbeitet. Dabei werden durch Feuerwehren, Gemeinden, Behörden und Grundbesitzen Forstwege kartiert, kategorisiert und digitalisiert sowie anschließend alle Erkenntnisse mit den Einsatzorganisationen abgestimmt.

„Der Waldbrand in Hirschwang ist in die Geschichte eingegangen. Aber nicht als Katastrophenstory, sondern als eine Geschichte des unglaublichen Zusammenhalts, die viel über unser Land und unsere Landsleute erzählt. Es ist eine Geschichte von 8.593 Helden von Hirschwang“, bekräftigte Pernkopf.

Modernste Technik

„Das Feuer hinterließ eine Spur der Verwüstung, aber der Wiederaufbau des Waldes hat dennoch unmittelbar nach dem ‚Brand aus‘ begonnen“, betonte Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Der Fokus liege darauf, Waldbrände nicht nur zu bekämpfen, sondern im Idealfall gar nicht erst entstehen zu lassen, oder zumindest so einzudämmen, dass sie sich nicht zu großen Katastrophen ausweiten. Daher wird nun auch zur Waldbrandprävention eine Drohne eingesetzt, die mit modernster Wärmebildtechnik ausgestattet ist und aktiv nach Wärmequellen (Lagerfeuern) sucht. So können Feuer schneller gelöscht und wenn möglich die Verursacher identifiziert werden. „Mit der Kamera sind unter anderem die Überwachung per Sichtkamera, die Überwachung per Wärmebildkamera, das Auffinden von Glutnestern, das Ausleuchten einer Bergungsstelle und auch Durchsagen per Lautsprecher aus der Luft möglich“, so Czernohorszky.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner führte zur Waldbrandkatastrophe aus: „Es waren außerordentliche Leistungen, die von unseren fast 8.000 Einsatzkräften geleistet wurden, davor kann man nur den Hut ziehen. Die niederösterreichischen Feuerwehren haben in Hirschwang bewiesen, dass sie bestens aufgestellt, hoch motiviert und hervorragend ausgebildet sind. Und noch eines hat uns dieser Einsatz vor Augen geführt: Dass unsere Investitionen in die Waldbrandbekämpfung richtig waren. Wir werden die auf Waldbrände spezialisierten Einsatzeinheiten von 400 auf 600 Einsatzkräfte verstärken. Ich bedanke mich auch für den Einsatz betreffend Rückvergütung der Mehrwertsteuer. Dadurch wurde ein niederösterreichisches Erfolgsmodell auf ganz Österreich ausgerollt und ein Meilenstein für alle Feuerwehren erreicht.“

Wiederaufforstung

Das Feuer hat dem Wald schweren Schaden zugefügt – mit der Wiederaufforstung wurde bereits gestartet: „Aufgrund bisheriger Erfahrungen wird davon ausgegangen, dass einige Baumarten, so zum Beispiel die Schwarzkiefer, trotz Beschädigungen durch den Brand überleben werden. Zusätzlich dazu wurden kleinflächig Eichen und andere Mischbaumarten wie Walnuss gesät und gepflanzt. Die ersten Erfolge sind bereits erkennbar“, so Forstdirektor Andreas Januskovecz.

Insgesamt waren 8.593 Einsatzkräfte 206.232 Stunden im Einsatz. Unterstützung für den Einsatz kam aus allen Bundesländern. 16 Fluggeräte aus dem In- und Ausland warfen etwa fünf Millionen Liter Wasser ab. Zusätzliche Hilfe kam vom Österreichischen Bundesheer, von der Bergrettung, vom Innenministerium und der Forstdirektion Wien.