Erika Freeman ist nun Ehrenbürgerin von Wien

Bürgermeister Ludwig überreichte die Urkunde an die Psychoanalytikerin und Zeitzeugin. | ©Stadt Wien / Christian Jobst

Im feierlichen Rahmen des Wiener Rathauses wurde eine außergewöhnliche Frau geehrt: Erika Freeman, renommierte Psychoanalytikerin und Zeugin einer bewegten Zeit, erhielt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien.

Diese Auszeichnung, überreicht von Bürgermeister Michael Ludwig in Anwesenheit zahlreicher hochrangiger Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung, markiert einen bedeutenden Moment in der Geschichte Wiens und würdigt das außergewöhnliche Lebenswerk von Frau Freeman.

Ein Leben geprägt von Überwindung und Einsatz

In seiner Ansprache hob Bürgermeister Ludwig die außergewöhnlichen Verdienste von Erika Freeman hervor. Ihre Arbeit habe dazu beigetragen, die Wiener Psychoanalyse weltweit bekannt zu machen und vielen Menschen, darunter auch prominenten Persönlichkeiten aus Hollywood, geholfen. Doch nicht nur ihre fachliche Expertise wurde gewürdigt, sondern auch ihre persönliche Geschichte und ihr unermüdlicher Einsatz, trotz schwerer Schicksalsschläge wie Vertreibung und Exil, wieder Frieden und Verbindung zu ihrer Heimatstadt zu finden. Dies sei eine inspirierende Leistung, die den Glauben an das Gute im Menschen stärkt.

Ein Beispiel für Resilienz und Überlebenskraft

Bundespräsident a.D. Heinz Fischer würdigte in seiner Laudatio den bemerkenswerten Werdegang von Erika Freeman, der von persönlichen Tragödien und einem unerschütterlichen Willen geprägt war. Die Geschichte ihrer Familie, die während des Zweiten Weltkriegs von den Grausamkeiten des Holocausts betroffen war, zeugt von ungeheurer Resilienz und Überlebenskraft. Trotz des unfassbaren Leids, das sie als Kind durchlebte, gelang es Freeman, sich zu einer herausragenden Persönlichkeit in ihrem Fachgebiet zu entwickeln und sich für die Aufarbeitung der historischen Ereignisse ab 1938 einzusetzen. Ihre Lebensgeschichte ist ein bewegendes Beispiel für die Kraft der Überwindung und die Bedeutung von Respekt und Verständigung.

Eine verdiente Anerkennung

Die Ernennung von Erika Freeman zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ist daher nicht nur eine verdiente Anerkennung für ihre herausragende Leistung als Psychoanalytikerin, sondern auch eine Hommage an ihre persönliche Stärke und ihren Einsatz für Versöhnung und Verständigung.

Erika Freeman wurde 1927 als Erika Polesiuk in Wien geboren und wohnte mit ihrer Familie im 2. Bezirk. In den 1930er Jahren erlebte sie den zunehmenden Antisemitismus und die nationalsozialistische Machtübernahme. Im Februar 1940 flüchtete sie im Alter von 12 Jahren über Rotterdam mit dem Schiff nach New York, wo sie bei Verwandten unterkam. Sie studierte Psychologie und arbeitete als Sekretärin in der Außenstelle der Jewish Agency. 1954 heiratete sie den Grafiker, Bildhauer und Kalligrafen Paul K. Freeman. 1964 promovierte sie mit einer Arbeit über die Stellung der Familie im Kibbutz. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1980 hebräisierte sie ihren Geburtsnamen sie zu „Padan“ und trat fortan auch als Erika Padan Freeman in Erscheinung. Im Rahmen ihrer Tätigkeit beriet sie viele Politiker*innen darunter die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir und diverse Hollywoodstars wie Marilyn Monroe, Marlon Brando, Woody Allen und andere. Freeman setzt sich seit 2007 im Rahmen des Projekts „A Letter To The Stars“ als Zeitzeugin gegen das Vergessen ein. 2017 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 2022 nahm Freeman wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an und ist heute US-amerikanisch-österreichische Doppelstaatsbürgerin.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, Bürgermeister Michael Ludwig, Erika Freeman und Bundespräsident a.D. Heinz Fischer. | ©Stadt Wien / Christian Jobst