Wien Energie schafft mit Inbetriebnahme einer neuen Trocknungsanlage bei der Kläranlage in Simmering Voraussetzungen, um die wertvolle Ressource Phosphor wiederverwerten zu können.
Mit der neuen Klärschlamm-Trocknungsanlage von Wien Energie ist hier ein wichtiger Schritt zum Phosphor-Recycling gelungen. „Wien stellt mit Nachdruck die Weichen für eine nachhaltige Zukunft – und zwar nicht nur bei der Energiewende, sondern auch bei der Wiederverwertung von kritischen Rohstoffen“, erklärt Stadtrat Peter Hanke, zuständig für Wirtschaft, Finanzen und die Wiener Stadtwerke. „Dazu zählt auch Phosphor, der für die Landwirtschaft und die Industrie ein wichtiger Rohstoff ist. Wien Energie setzt jetzt auch im Kontext von Forschung und Innovation einen Meilenstein und schafft die Voraussetzungen für die erneute Verwendung im großen Maßstab.“ „Die Wiener Kläranlage ist ein wichtiger Puzzlestein auf unserem Weg zur Klimaneutralität“, sagt auch Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky. „Mit dem Phosphor-Recycling machen wir nun einen weiteren Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft.“
Meilenstein in der Phosphor-Rückgewinnung
Die Wiener Kläranlage filtert gewaltige Mengen an Schmutzstoffen aus dem Abwasser. In der Abwasserreinigung ist Klärschlamm ein „Restprodukt“. Er wird thermisch von Wien Energie verwertet und in der Asche befindet sich eine wichtige Ressource: Phosphor. Dieser kann vor allem als Dünger in der Landwirtschaft und in der Industrie zum Einsatz kommen. Klärschlamm besteht jedoch zu 96 Prozent aus Wasser. Um ihn nicht gemischt mit anderen Abfällen zu verbrennen, muss die Feuchtigkeit reduziert werden. Soll die Verbrennung ohne Zusatzstoffe stattfinden, damit der aus der Asche gewonnene Phosphor als Düngemittel verwendet werden kann, muss das Material getrocknet werden. Die neue Klärschlammtrocknungsanlage sorgt hier für einen wichtigen Schritt zur Wiedergewinnung von Phosphor. Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber. „Mit der Anlage zur Klärschlammtrocknung für die weiterführende Behandlung und Verwertung liefern wir somit einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und auch zur Lebensmittelversorgung.“
Phosphor – eine wertvolle und kritische Ressource
Die Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche erfolgt derzeit noch im Rahmen von Pilotprojekten mit einem Industriepartner. Für die Zukunft prüft Wien Energie die Errichtung einer eigenen Anlage. Im Endausbau wäre der Phosphorbedarf für die Lebensmittelproduktion der gesamten Wiener und niederösterreichischen Bevölkerung abgedeckt. Phosphor ist essenziell für den Aufbau von lebenden Zellen und bei der Photosynthese von Pflanzen. In der Landwirtschaft ermöglichte der Einsatz von Phosphordüngern im 20. Jahrhundert eine deutliche Steigerung der Erträge. Rohphosphat gilt allerdings EU-weit seit 2014 als kritischer Rohstoff. Die EU-Staaten importieren den größten Teil ihres Bedarfs aus Drittstaaten, unter anderem aus Nordafrika. Bei der Gewinnung von Rohphosphor kommt es in manchen Fällen zu Umweltbelastungen, etwa bei mangelnder Filterung von Abwasser. Mit der Trockungsanlage ist ein erster Schritt gesetzt, auf Dauer natürliche Phosphor-Vorkommen zu schonen und die Abhängigkeit von Phosphor-Importen zu reduzieren.