Hermann Nitsch ist gestorben

(C) Christian Jobst: Hermann Nitsch ist am 18. April 2022 verstorben.
(C) Christian Jobst: Hermann Nitsch ist am 18. April 2022 verstorben.

Hermann Nitsch, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs, der auch international hohes Ansehen genoß, ist gestorben. Nitsch provozierte – mit seinen avantgardistischen, provokanten Zugängen oder etwa auch durch seinen Einsatz von Tierinnereien, Blut oder Kadaver –, wurde bekämpft, angefeindet und schließlich hochdekoriert. Er starb am 18. April 2022.

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Wiener Aktionismus

Hermann Nitsch wurde am 29. August 1938 in Wien geboren und besuchte von 1948 bis 1956 Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Zunächst arbeitete er nach seinem Abschluss als Grafiker im Technischen Museum, wandte sich aber der Malerei zu. Zu dieser Zeit entstanden auch seine ersten Konzepte des „Orgien-Mysterien-Theaters“. Hermann Nitsch war Mitbegründer des Wiener Aktionismus und verband Malerei, Musik, Tanz, Theater und Perfomance zu einem Gesamtkunstwerk. Seine öffentlichen Aktionen führten in den 1960ern zu mehreren Prozessen und insgesamt drei Gefängnisstrafen. 1968 übersiedelte er nach Deutschland.

Internationale Erfolge trotz heimischen Widerstands

Während die österreichische Öffentlichkeit mit Unverständnis und Ablehnung auf die Aktionen des Künstlers reagierte, feierte Nitsch international Erfolge. „Orgien-Mysterien-Theater“ wurde internagional gefeiert und er führte seine Aktionen in Europa und den USA durch.

In den 1970ern siedelte der Künstler wieder nach Österreich. Er kaufte 1971 das Schloss Prinzendorf in Niederösterreich, wo er seither lebte und künstlerisch wirkte. 1998 fand hier das „6-Tage-Spiel“ sowie 2004 das „2-Tages-Spiel“, seine 120. Aktion statt. Beide Aktionen fanden unter großen Medienrummel statt.

Ehrungen

Der einst in Österreich umstrittene Künstler, wurde schließlich anerkannt und honoriert. So wurde er etwa 2004 mit der Wiener Ehrenmedaille in Gold und 2005 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Zum 50-Jahr-Jubiläum der Wiedereröffnung des Burgtheaters nach dem Zweiten Weltkrieg (dessen Schließung er 1962 im Blutorgel-Manifest noch forderte) fand erstmals eine Nitsch-Aktion in einem staatlichen Theater statt. Nitsch Werke sind heute in renommierten nationalen und internationalen Museen zu bestaunen. Am 18. April 2022 starb der österreichische Ausnahmekünstler im Alter von 82 Jahren.