Neugestaltung Lainzer Straße

Hietzinger Wirtschaft startet Petition gegen Radweg-Plan

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Weil durch den geplanten Umbau der Lainzer Straße 2027 gerüchteweise weit über 100 Parkplätze verloren gehen werden, formiert sich in Alt-Hietzing massiver Widerstand. Der lokale Einkaufsstraßenverein und die Wirtschaftskammer Wien fordern per Petition einen sofortigen Planungsstopp und legen konstruktive Rad-Routen-Alternativen vor. Auch die Hietzinger Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl stellt sich hinter die Petition um den massiven Sorgen der Anrainer und Betriebe Gehör zu verschaffen.

Für das gewachsene Einkaufsgrätzl mit über 70 aktiven Mitgliedsunternehmen und rund 200 Geschäften im unmittelbaren Umfeld steht viel auf dem Spiel. Verschärft wird die Situation dadurch, dass der neue Radweg voraussichtlich auf jener Straßenseite errichtet werden soll, auf der sich auch die Geschäfte befinden. Der lokale Fachhandel und die Gastronomie leben stark von Kundschaft, die gezielt mit dem Auto anreist – sei es aus entlegeneren Teilen des Bezirks oder aus der weiteren Umgebung. Fällt die Möglichkeit zum Parken oder für kurze Ladestopps direkt vor den Geschäftslokalen weg, droht selbst die Abwanderung der Stammkunden in die großen Einkaufszentren am Stadtrand.

Hier sieht man deutlich, wo der Radweg nach Fertigstellung verlaufen soll © Zoomvp.at/Mobilitätsagentur Wien

Die Sorge vor dem Verlust der Kaufkraft ist groß, wie Georg Fuchs, Obmann des Einkaufsstraßenvereins Alt-Hietzing, betont: „Wir kennen unsere Kunden und wissen aus dem täglichen Geschäft: Für viele entscheidet auch ein Parkplatz in der Nähe darüber, ob sie bei uns oder anderswo einkaufen.“

Die jetzt gestartete Petition soll die Stadt Wien dazu bewegen, die Sorgen im Zentrum von Alt-Hietzing ernst zu nehmen und die Pläne grundlegend zu überdenken. Unterstützung kommt dafür direkt aus der Hietzinger Bezirkspolitik. Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl sieht dringenden Handlungsbedarf, da der drohende Stellplatzverlust im Abschnitt zwischen Altgasse und Gloriettegasse tiefe Verunsicherung auslöst: „Ich unterstütze diese Petition, weil sie zentrale Anliegen und Sorgen der lokalen Wirtschaftstreibenden und der Bürgerinnen und Bürger aufgreift.“

Wirtschaftskammer fordert neue Radweg-Route

Die Hietzinger Unternehmer stellen den Radweg dabei nicht grundsätzlich infrage. Sie kritisieren jedoch die konkrete Planung und deren drastische Folgen für die Erreichbarkeit. Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Peter Sverak warnt jedenfalls eindringlich vor den Folgen der aktuellen Pläne der Stadt Wien und begründet den Schritt zur Petition:: „Schon heute ist der Parkplatzdruck in Alt-Hietzing enorm – weitere Stellplätze zu streichen, gefährdet die Erreichbarkeit und damit die wirtschaftliche Lebensader des Grätzls. Die Stadt muss die Radwegplanung überarbeiten: Unsere Geschäftstreibenden dürfen dabei nicht unter die Räder kommen.“

Konstruktive Alternativen im Gespräch

Eine Kernforderung der Petition ist es, die Planung vor der endgültigen Umsetzung noch einmal gemeinsam mit den Betrieben vor Ort ergebnisoffen zu prüfen. Eine Lösung mit der zum Beispiel alle leben könnten liegt ganz nah – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als eine mögliche Alternative bringt der Einkaufsstraßenverein eine Führung des Radverkehrs über die nahegelegene Wenzgasse in Richtung der bereits bestehenden Fahrradstraße Auhofstraße ins Gespräch. Damit, so die Initiatoren, könnte zusätzlicher Spielraum für Ladezonen und Parkmöglichkeiten im unmittelbaren Einkaufsgebiet erhalten bleiben. Aber auch den Radweg auf der gegenüberliegenden Seite der Lainzer Straße zu planen wäre eine mögliche Lösung.

Die Petition fordert daher, die Planung vor der endgültigen Umsetzung noch einmal gemeinsam mit den Betrieben vor Ort zu prüfen.

Sverak stellt klar, dass es den Unternehmern nicht um einen ideologischen Konflikt geht: „Es geht nicht um Radfahrer gegen Autofahrer. Es geht darum, eine Lösung zu finden, die ein gewachsenes Einkaufsgrätzl nicht schwächt, wenn ohnehin die gesamte Straße neu gedacht wird.“

Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl nimmt hierbei auch die Wiener Stadtregierung in die Pflicht, um Schaden vom gesamten Zentrum Alt-Hietzings abzuwenden: „Die Stadtregierung ist nun aufgerufen, Alternativen zum Radweg in der Lainzer Straße ergebnisoffen zu prüfen und Lösungen für die Erreichbarkeit unserer lokalen Betriebe, Ordinationen und Nahversorger vorzulegen. Ebenso dürfen die Unternehmen während der gesamten Bauzeit nicht im Stich gelassen werden. Eine sichere Radverbindung und ein lebendiges, gut erreichbares Alt Hietzinger Zentrum dürfen kein Widerspruch sein. Unsere Hietzinger Grätzeln mit den vielfältigen Betrieben und Angeboten spielen eine wichtige Rolle für die Lebensqualität im Bezirk.“

Unterschriftenlisten für Unterstützer der Forderungen liegen ab sofort in zahlreichen teilnehmenden Geschäften in Alt-Hietzing zur Unterschrift auf. Eine Online-Petition wird in Kürze freigeschaltet.

Die vier Kernforderungen der Petition

  1. Die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen: Gefordert wird eine nachvollziehbare Stellplatzbilanz für den betroffenen Abschnitt (Bestand und Planung), die vorliegenden Erhebungen zur Parkraumsituation sowie alle im Planungsprozess geprüften Führungs- und Gestaltungsvarianten samt den Gründen, aus denen Varianten mit geringerem Stellplatzverlust ausgeschieden sind.
  2. Alternativen ergebnisoffen zu prüfen und umzusetzen: Gemeinsam mit den Betrieben, dem Bezirk und der Interessenvertretung sind Varianten zu bewerten, die denselben hohen Sicherheitsstandard für Radfahrende erreichen und weniger Stellplätze beanspruchen. Als Lösung bringen die Initiatoren eine Führung des Radverkehrs über die nahegelegene Wenzgasse in Richtung der bereits bestehenden Fahrradstraße Auhofstraße oder eine Führung auf der gegenüberliegenden Seite der Lainzer Straße ins Gespräch.
  3. Die Erreichbarkeit verbindlich abzusichern: Es muss ein Konzept für Lade- und Kurzhaltezonen (Grätzlladezonen), Haltemöglichkeiten bei Ordinationen und Nahversorgern, barrierefreie Erreichbarkeit sowie zusätzliche Stellplätze im unmittelbaren Umfeld beschlossen und veröffentlicht werden, bevor die ersten Stellplätze entfallen.
  4. Die Betriebe während der Bauzeit zu unterstützen: Unternehmen, die durch die lange Bauphase erhebliche Umsatzeinbußen erfahren, benötigen ein verbindliches Unterstützungsinstrument – nach dem Vorbild der bestehenden Unterstützung für vom U-Bahn-Ausbau betroffene Betriebe.
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